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Dr. Helmuth Ocenasek mit dem Klinikpapagei Rio auf der Schulter. Der 59-jährige Oberösterreicher war schon 28 Mal in der Tauchklinik auf der Malediven-Insel Bandos als Arzt im Einsatz und übernimmt jetzt ihre medizinische Leitung.

59-jähriger Mediziner leitet Spital für verunfallte Taucher auf Malediven

Praxis mit Meerblick! 2001 hat der Linzer Sport- und Allgemeinmediziner Dr. Helmuth Ocenasek erstmals einen Taucharzt auf der Malediveninsel Bandos vertreten. Nach 27 weiteren Einsätzen übernimmt der Oberösterreicher nun als Medizinischer Direktor die Klinik unter Palmen. Es ist die größte Tauchklinik der Malediven mit Überdruckkammer, die auch die medizinische Basisversorgung für Einheimische und Touristen leistet.

Weihnachten unter Palmen – am 20. Dezember hebt Helmuth Ocenasek mit Familie für sechs Wochen auf „seine“ Insel ab. Ganz so abenteuerlich wie die Arbeit mit dem Extremradler Wolfgang Fasching, den er jahrelang beim „Race Across America“ medizinisch betreute, wird sein zeitweises Inseldasein nicht.
„Ich kenne die Hälfte aller 600 Angestellten auf Bandos, wir sind wie eine große Familie. Als Mitglied eines internationalen Ärzteteams, das im 3-Wochen-Rhythmus in der Klinik arbeitet, habe ich mittlerweile insgesamt eineinhalb Jahre auf Bandos verbracht“, erzählt Ocenasek, stellvertretender ärztlicher Leiter von Cardiomed, dem Zentrum für ambulante Herz- und Lungenrehabilitation in Linz. Seine zwei Töchter sind sozusagen in der „Staff-Area“, dem Inselbereich, wo die Angestellten wohnen und leben, aufgewachsen.
Das Doktorhaus liegt nahe dem Pool und Meer, „aber wir sind gerne hier bei den Einheimischen und Angestellten. Sie sind kinderlieb und freundlich. Viele kommen aus Bangladesch, den Philippinen, Indien und arbeiten hart, als Kellner, „Roomboy“… 12 bis 16 Stunden pro Tag, sechs Tage in der Woche für 300 bis 400 Euro Monatslohn. Ihre Familien sehen viele nur einmal im Jahr im Urlaub“, erzählt der Arzt.
Die Klinik, die vom Inselpächter und Hotelbesitzer vor 25 Jahren errichtet wurde, zählt fünf Mitarbeiter, darunter ein einheimischer Arzt und eine Krankenschwester. Helmuth Ocenasek: „Der Taucharzt hat Rufbereitschaft und ist einen Wochentag fix in der Klinik. Vor 20 Jahren waren es mehr als 80, heute sind es rund 40 verunfallte Taucher pro Jahr, die eine Therapie in der Druckkammer brauchen. Die Hälfte davon sind Einheimische, die in 30 bis 50 Metern Tiefe nach Schwämmen oder Muscheln suchen, die sie verkaufen können.“
Bei einem Unfall mit zu raschem Auftauchen bilden sich durch die Stickstoffüberflutung im Blut Bläschen. Werden diese ins Gehirn oder Herz geschwemmt, verstopfen sie dort Gefäße und es kommt zu Lähmungen, Atemnot, wie bei einem Schlaganfall oder Infarkt. In der Kammer wird der Taucher bei Überdruck mit reinem Sauerstoff beatmet, wodurch er den Stickstoff abatmen kann. Die Patienten werden per Helikopter oder Boot nach Bandos in die Klinik gebracht. „Der Patient muss an mehreren Tagen stundenlang in die Druckkammer und ständig vom Arzt beobachtet werden. Im besten Fall bilden sich alle Symptome zurück“, sagt der Sportarzt.
Besorgt verfolgt der 59-jährige Mediziner und – wie Ehefrau und Töchter – begeisterte Taucher die Zeichen der Klimaveränderung: „Bei jedem Besuch ist der Wasserspiegel um ein paar Zentimeter höher und der Strand um einen Streifen schmäler. Daher werden rund um die Inseln jetzt Steinmauern errichtet, um die Strände vor Unterspülung zu schützen. Man sieht, dass die Korallen unter der Wassererwärmung leiden, dennoch ist die Unterwasserwelt noch faszinierend.“

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Die im Indischen Ozean liegenden Malediven gehören zu den Regionen, die der Klimawandel besonders hart trifft. Den Inseln, von denen die meisten nur einen Meter über dem Meeresspiegel liegen, droht die Überflutung. Unter anderem versucht man mit Steinmauern im Meer und Sandsäcken am Strand (Bild) Unterspülungen zu verhindern. „Trotzdem sehe ich jedes Mal, wenn ich wiederkomme, neue entwurzelte Palmen,“ erzählt Helmuth Ocenasek. Vor der Hauptstadt Malé will man eine schwimmende Stadt mit 5.000 Häusern bauen. Steigt der Wasserspiegel, steigen die Häuser mit.
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Der Linzer Sportarzt und Allgemeinmediziner auf der „Kommandobrücke“ der Druckkammer.