Zwei Trainer prägten Fußball-WM ‘78 unter Militärdiktatur

Seit wenigen Tagen läuft die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar. Über die skandalösen Umstände der WM-Vergabe an das Emirat wurde bereits alles gesagt und geschrieben, was es zu sagen und schreiben gibt. Ebenso über die Autokratie und Menschenrechtsverletzungen in Katar.
Jetzt wird es interessant zu beobachten, welche Spieler und/ oder Trainer den Mut haben, während der WM Zeichen gegen die FIFA-Mafia und die Politik der Scheichs zu setzen. In diesem Sinne wirft „Hallo“ einen Blick zurück auf die WM 1978. Nicht, weil wir an das „narrische“ 3:2 Österreichs gegen Deutschland erinnern wollen, dazu ist auch schon alles gesagt und geschrieben worden, sondern weil die WM unter einer Militärdiktatur stattfand und im Finalspiel zwei Trainer auf der Bank saßen, die sich nie ein Blatt vor den Mund genommen haben. Das Spiel hieß Argentinien gegen die Niederlande, und die Trainer hießen César Luis Menotti und Ernst Happel. Zwei eigenwillige Charaktere, die große Erfolge feierten und den Fußball geprägt haben.
Menotti, genannt „El Flaco“ („der Dürre“), war als Spieler ein genialer „Stehgeiger“ im Mittelfeld, Happel, genannt „Wödmasta“, war als Abwehrchef ebenfalls lauffaul und als König der Abseitsfalle auch ein genialer Stratege. Weitere Gemeinsamkeit von Menotti und Happel: In ihren grantigen Gesichtern steckte fast immer eine Zigarette. Die Kippen im Umfeld der beiden Trainerbänke beim Finale 1978 wurden nicht gezählt, doch es müssen Dutzende gewesen sein. Noch dazu, wo das Endspiel 120 Minuten gedauert hat und schließlich mit einem 3:1 für die Hausherren endete.
Auf das Finale eingestimmt hat Menotti seine Spieler in der Kabine mit den Worten: „Wir gehören zu den unterdrückten Klassen, wir sind die Opfer, und wir repräsentieren das einzig Echte in diesem Land – den Fußball. Wir spielen nicht für die Ehrentribüne voller Militärs, wir spielen für die Leute. Wir verteidigen nicht die Diktatur, sondern die Freiheit…“ Das erzählte später der Spieler Jorge Valdano und wird in dem hervorragenden Buch von Harald Irnberger „Die Mannschaft ohne Eigenschaften“ (Otto Müller Verlag) zitiert. Bei der Siegerehrung gelang es César Luis Menotti, einen Händedruck mit den mörderischen Generälen zu vermeiden, denen zehntausende Menschen zum Opfer gefallen sind.
Ernst Happel und seine Mannschaft wurden nach der Rückkehr aus Argentinien von der niederländischen Königin zu einem Empfang geladen, bei dem sich die Monarchin verspätete. Was den zornigen Wödmasta aus Wien zum Ausspruch verleitete: „Wenn de alte Schastrommel net bald kommt, könnens ohne Happel feiern.“