Foto: Privat

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Der vierjährige Leon betankt stolz das Erdgasauto seines Vaters. Der Tankvorgang dauert drei Minuten. Für eine Wegstrecke von 100 Kilometer verbraucht Martin Graf-Schwarz mit seinem VW Touran 4,6 Kilogramm Gas. Als Reserve steht ein 12-Liter-Benzintank zur Verfügung.

Still und leise ist die hochgelobte Antriebsart „eingeschlafen“

Vor zwei Jahrzehnten wurden sie als bahnbrechende Zukunftsvision vorgestellt: Gasbetriebene Autos – die umweltfreundliche und wirtschaftliche Art zu fahren! Mit Erdgas oder Biogas im Tank, und stark reduziertem Ausstoß von CO2, Stickoxiden und Feinstaub. Still und leise ist die hochgelobte Alternative „eingeschlafen“. Sie blieb Vision.

Als gutes Vorbild wurden von der öffentlichen Hand ganze Fuhrparks auf Erdgasautos und -Busse umgestellt. Beim Linzer Autofrühling 2007 präsentierte die LINZ AG ihre MobilGAS TankBOX. Damit sollte man die Autos bequem zu Hause auftanken können, sofern man über einen privaten Erdgasanschluss verfügte.
Heute ist von der Erdgasauto-Offensive nichts mehr übrig. VW hat die Produktion solcher Fahrzeuge überhaupt eingestellt. Alles dreht sich nur noch um Elektroautos . Das ist unter anderem einer bemerkenswerten Tatsache geschuldet: Um die neuen Flotten-Grenzwerte der EU beim CO2 zu erreichen, müssen die Hersteller so viele Elektroautos wie möglich verkaufen, ansonsten drohen Strafzahlungen in Milliardenhöhe.
Während in einigen wenigen Ländern die CNG-Tankstelleninfrastruktur (CNG steht für Compressed Natural Gas) wächst, entwickelt sich hier Österreich zurück. Auf Österreichs Straßen sind insgesamt knapp 8.000 Erdgasautos unterwegs. Einer der wenigen Erdgas-Fahrer ist Martin Graf-Schwarz aus Neuhofen im Innkreis. Der 45-Jährige pendelt mit seinem CNG-VW Touran vom Innviertel nach Linz.
„Durch den CNG-Betrieb konnte ich jährlich nahezu ein Monatsgehalt zur Seite legen. Und obwohl sich seit dem Ukraine-Krieg der Erdgaspreis verdoppelt hat, fahre ich immer noch etwas günstiger als mit Benzin,“ erzählt der Grafiker. An oberösterreichischen Zapfsäulen kratzt der Kilopreis für Erdgas aktuell an der Zwei-Euro-Marke. In Salzburg kostet das Kilo 1,60.- Euro.
Der Familienvater wird oft mit staunenden Augen angeschaut, wenn er sagt, er fährt mit Gas: „Mit einer Gasfüllung komme ich 330 km weit. Und was machst du dann, fragen mich die Leute. Ich fahre einfach mit Benzin weiter, denn mein Wagen hat auch einen 12-Liter-Benzintank.“
Sicherheitsbedenken konnten alle Automobilclubs in Österreich, Deutschland und der Schweiz nach Crashtests wegwischen. Resümee: Gasautos sind sogar sicherer als Diesel- oder Benzinfahrzeuge.
Gasfahrzeuge „schlucken“ auch Biogas, das aus biogenem Abfall oder Gülle erzeugt wird. Dabei entsteht neben Energie auch hochwertiger Dünger. Beim „Kompost & Biogas Verband Österreich“ (www.kompost-biogas.info) wird die Funktionsweise einer solchen Biogasanlage sehr gut erklärt.
Gerhard Hermann und Christina Rittenschober aus Freistadt haben, wie „Hallo“ im Februar berichtet hat, ab 1991 derartige Klein-Biogasanlagen als erste in Österreich bei Landwirten realisiert. Funktionierende Beispiele sind auf ihrer Homepage (www.regenwurmrettung.at) angeführt. Diese Anlagen sind immer noch in Betrieb. Sie produzieren Biogas und Strom und machen den Landwirt weitgehend energieautark.
Um mit Biogas fahren zu können, muss es aufbereitet werden. Das geschieht beispielsweise in der größten Biogasanlage Österreichs in Margarethen am Moos in Niederösterreich. Dort steht auch eine CNG-Zapfsäule, an der das Kilo Biogas derzeit 1,25.- Euro kostet. Bio kann also nachhaltig und günstig sein.

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„Stromer sind sexy, Erdgasautos nicht. Das ist für mich unverständlich“
Martin Graf-Schwarz