Foto: Klinikum Bad Hall/Bad Schallerbach

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Reha-Klinikum Bad Schallerbach testet alle Patienten jetzt auf Osteoporose.

Von Christine Radmayr

Die Volkskrankheit Osteoporose wird zu wenig und zu spät diagnostiziert. Stürze, Brüche und Mobilitätsverlust sind Folgen. Im Reha-Klinikum Bad Schallerbach (be)handelt man, bevor die Knochen brechen. „Mit dem neuen Screening finden wir Betroffene, die von ihrer Erkrankung noch nichts wissen,“ sagt Primar Dr. Hubert Steckholzer.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt den Knochenschwund zu den zehn häufigsten Erkrankungen weltweit. In Österreich sind nur rund 20 Prozent der geschätzten 460.000 Betroffenen – mehr Frauen als Männer – richtig diagnostiziert und nur die Hälfte davon korrekt behandelt. Vor allem Frauen nach dem Wechsel sind stark gefährdet. Eine Knochendichte- messung Mitte 50 ist anzuraten. Männer bekommen ihre Osteoporose meist einige Jahre später. Bis zum 30. Lebensjahr kann die maximale Knochendichte aufgebaut werden. Dann geht es langsam bergab. Regelmäßige Bewegung und kalziumreiche Kost helfen dabei, einen hohen Gipfelwert („Bone Peak“) zu erreichen.
Mit einem Glas Milch, einem Becher Joghurt und drei Scheiben Käse kann jeder Erwachsene täglich seinen Kalziumbedarf decken. Da Vitamin D für die Knochendichte wichtig ist, sollte man sich täglich mindestens 20 Minuten im Freien aufhalten. In den Wintermonaten ist die Einnahme von Vitamin D-Tropfen sinnvoll.
Oft wird der Knochenschwund erst nach einem Oberschenkelhals- oder Wirbelkörperbruch erkannt. Neben Alter, hormoneller Veränderung im Wechsel und familiärer Veranlagung gehören Bewegungsmangel, Untergewicht, zu wenig Sonnenlicht, übermäßiger Kaffee- und Alkoholkonsum, Rauchen und bestimmte Medikamente (Cortison, Magenschoner in Dauermedikation) zu den Risiken.
Die Reha-Klinik Schallerbacherhof, spezialisiert auf Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparats, sieht sich selbst als Osteoporose Kompetenzzentrum. „Seit Juni 2021 unterziehen wir jeden Patienten einem Osteoporose-Screening, das interdisziplinär von unseren Ärzten, Experten für Diätologie, Bewegungstherapie und Psychologie erarbeitet wurde. Das Stadium der Erkrankung sowie das Frakturrisiko wird bestimmt. Alle, bei denen wir den Knochenschwund neu entdecken, noch bevor ein Bruch passiert ist, sind ein Erfolg“,erklärt Primar Hubert Steckholzer.
„Gleichgewicht, Koordination und Kraft werden je nach Mobilität und Alter in Osteoporosezirkeln trainiert, auch Sturzprophylaxe und Ernährungsschulung sind Schwerpunkte. Das Training auf der Rüttelplatte, das die Bildung von Knochengewebe positiv beeinflusst, kann verordnet werden“, sagt Heilmasseurin Susanne Schultes.
Primar Dr. Steckholzer sieht Coronakranke als neue Risikogruppe: „Alle, die mehrere Wochen beatmet mit Corona auf Intensivstationen liegen, sind zweifach gefährdet. Sowohl die Immobilität als auch die Therapie mit Cortison wegen der Lungenentzündung setzen der Knochendichte stark zu. Es kann viele Trainingsmonate dauern, um den Knochen- und Muskelschwund wieder halbwegs auszugleichen.“


Primar Dr. Hubert Steckholzer, Masseurin Susanne Schultes: Im Reha-Klinikum Bad Schallerbach rückt man durch interdisziplinäre Reihenuntersuchungen der Osteoporose zu Leibe.