Das Buch bringt das Abenteuer direkt ins Zimmer – dieser Ansicht war Johann Wolfgang von Goethe schon im 18. Jahrhundert. Er schrieb sinngemäß: Wer hat es nicht erfahren, dass das Lesen eines Buches, das ihn unwiderstehlich fortriss, auf sein ganzes Leben den größten Einfluss hatte. An diesen Sätzen orientiert sich Hans Zauner aus Walding, der seit seiner Jugend ein Literaturliebhaber,Vielleser und Büchersammler ist.

Dazu Hans Zauner: „Zwar habe ich aus beruflichen Zwecken viele tausende Seiten gelesen. Aber meine wirkliche Liebe gehört seit meiner Jugendzeit dem Buch, den Romanen,den Biographien.Unser Deutschprofessor sagte uns immer wieder:‘Lest Romane und Biographien, denn die enthalten sehr viel Lebenserfahrung.’ Jetzt, mit 67 Jahren, befolge ich seinen Rat noch immer. Ich widmete täglich etwa eine Nachtstunde und mehrere Stunden an den Wochenenden immer der Literatur. In jungen Jahren waren das u.a. die Bücher von Hermann Hesse, Stefan Zweig, Albert Camus, Ernest Hemingway, Emile Zola, Charles Dickens, Lew Tolstoi, Fjodor Dostojewski usw. Dann entdeckte ich Adalbert Stifter. Und da vor allem seinen Roman „Nachsommer“ (erschienen 1857), der mich mein ganzes Leben lang begleitete. Dieser Roman mit seinen schön geistig orientierten Protagonisten geriet nach dem Tod Stifters 1868 fast in Vergessenheit. Es war der Stifter- Bewunderer Friedrich Nietzsche, der die Schönheit dieses Buches wiederentdeckte und ihm damit spät aber doch noch zu einer gewissen Berühmtheit verhalf. Der „Nachsommer” ist eines der wenigen Bücher, die ich bis jetzt viermal gelesen habe und er bereichert mich immer wieder. Eines der ergreifendsten und erschütterndsten Bücher, die ich gelesen habe, ist der Roman von Franz Werfel ‘Die vierzig Tage des Musa Dagh’. Er handelt von dem Genozid der Türken an den Armeniern im 1.Weltkrieg.

Ein Leben lang begleitete mich auch Johann Wolfgang von Goethe: 15 Biographien über ihn habe ich im Laufe der Jahrzehnte gelesen und immer wieder entdeckte ich neue Facetten seines Genies. Sein Leben an sich ist ein Kunstwerk.

Viel Literatur habe ich auch über das tragische Schicksal der Juden im Laufe der Geschichte, über den Antisemitismus und über den Holocaust gelesen.Vor allem zwei Bücher möchte ich in diesem Zusammenhang erwähnen: Das Buch ‘…trotzdem ja zum Leben sagen’ des jüdischen Wiener Arztes und Holocaust-Überlebenden Viktor E. Frankl und den Roman ‘Der Vorleser’ von Bernhard Schlink, der von der Verurteilung einer SS-KZ-Aufseherin handelt.

Zwei Bücher habe ich trotz mehrmaliger Anläufe nicht über die Hälfte geschafft: Das ist der Roman ‘Doktor Faustus’ von Thomas Mann und der Roman ‘Ulysses’ von James Joyce. Natürlich lese ich die zeitgenössischen Autoren und halte mich möglichst auf dem Laufenden, aber das Angebot ist riesig und ich führe nur einige meiner Lieblingsautoren an: Peter Handke, Michael Köhlmeier, Daniel Kehlmann, Elfriede Jelinek, Franzobel, Daniel Glattauer, Umberto Eco, Orhan Pamuk, Salman Rushdie, Kazuo Ishiguro.

Eine besondere Beziehung verbindet mich mit Christoph Ransmayr: Er hat zwei Klassen vor mir das Realgymnasium der Benediktiner in Lambach besucht und ist mir noch als selbstbewusster, freundlicher Schulkamerad in Erinnerung. Seine Romane sind fixer Bestandteil meiner Büchersammlung.

Ich habe mein ganzes Leben lang das Bedürfnis, jedes Buch, das ich lese, persönlich zu besitzen. Ich sammle aber nur die Bücher, die ich wirklich gelesen habe. In der Pension erfüllte ich mir einen Lebenstraum: Ich habe noch Philosophie, Kunstgeschichte und Musikgeschichte an der Katholischen Universität und an der Bruckner Universität studiert und das Studium mit dem Bachelor abgeschlossen. Meine Bücher sind mir zu treuen Begleitern und Freunden meines Lebens geworden.”