28. Oktober 2020

AKTUELLES

Alpenverein und Naturfreunde melden Rekordzahlen

Der Berg ruft! Wandern ist der neue Freizeithit

Es geht steil bergauf - mit der Wanderlust! Zog es früher eher die Älteren auf die Berge, werden jetzt auch die Jungen zu Gipfelstürmern. Oberösterreichs Alpenverein und die Naturfreunde haben innerhalb von gut 20 Jahren ihre Mitgliederzahlen verdoppelt. Reich werden sie dadurch allerdings nicht, denn die Investitionen in die Infrastruktur sind enorm.


Immer größere Anziehungskraft üben die Pilgerwege auf Wanderer aus. Im Bild eine Gruppe des Alpenvereins Neugablonz-Enns (1.100 Mitglieder) auf dem neuen Sebaldusweg im Ennstal.

Ein deutscher Tourist fragt einen Einheimischen: „Können Sie mir sagen, wie der Berg da hinten heißt?“ „Wöcha den?“ „Danke!“ sagt der Deutsche und geht weiter. So oder ähnlich machen sich Witze über Laien im Schatten der Berge lustig.
Doch diese Witze werden weniger. Denn ein Freizeitfieber erfasst alle Altersgruppen und Berufsschichten: Die Freude am Wandern steigt unaufhörlich. „Wir verzeichnen seit 20 Jahren jedes Jahr um 3 bis 4 Prozent mehr Mitglieder. 2018 waren es gar 5,3 Prozent,“ erzählt Dr. Thomas Poltura aus Leonding, seit 2005 Obmann und Landesvorsitzender des OÖ-Alpenvereins. Seiner Organisation gehören mittlerweile österreichweit 600.000 Personen an, im Jahr 2000 waren es 270.000.
In Oberösterreich zählt der Alpenverein aktuell 75.300 Mitglieder, alleine in Linz und Umgebung sind es 23.000. Damit ist man nach Wien und Tirol die drittgrößte Landesorganisation, deren 54 Ortsgruppen in Oberösterreich 18 Hütten und einige Talherbergen betreiben.
Oberösterreichs Naturfreunde freuen sich über eine ähnliche Entwicklung. „Seit über 15 Jahren registrieren wir jährlich einen Mitgliederzuwachs von 1,5 bis 2 Prozent,“ weiß Landesgeschäftsführer Christian Dornauer aus Allerheiligen im Mühlviertel. „Mit 48.000 voll zahlenden Mitgliedern sind wir die mit Abstand größte Landesorganisation.“ Den 115 Ortsgruppen der OÖ-Naturfreunde gehören 45 Hütten und Vereinshäuser.
War früher die Jugend in den Bergen eher selten anzutreffen, ist es in den vergangenen Jahren vor allem bei jungen Leuten zum Trend geworden, auf die Berge zu steigen, Kletterwände und Gipfeln zu erobern.
Der Zustrom an Wandervögeln spült gutes Geld in die Kassen der Wandervereine. Für den Jahresmitgliedsbeitrag (50.- Euro Naturfreunde, 54.- Alpenverein, doch es gibt auch Ermäßigungen) erhält man bei Hüttenübernachtungen Rabatt, außerdem ist eine Rettungsversicherung inkludiert. „Die gilt für Berg- und Seenot weltweit,“ sagt Dornauer, und macht sich im Ernstfall bezahlt. Poltura: „Seit einigen Jahren darf die Polizei für Hubschraubereinsätze Kosten verrechnen. Da kommen schnell 4.000.- bis 5.000.- Euro zusammen.“
Und an Notfällen mangelt es angesichts des Andrangs nicht. Die mehr als 800 Bergretter in Oberösterreich vermelden fast Jahr für Jahr mehr Alarmierungen. Heuer steuert man auf einen neuen Einsatzrekord zu.
Die Wanderer und Hobbybergsteiger halten nicht nur Rettungskräfte auf Trab, sondern sorgen zwischen Böhmerwald und Dachstein auch für einige 100 Millionen Euro an Wertschöpfung. Dafür muss auch investiert werden. Beim OÖ-Alpenverein ist das etwa eine Million Euro im Jahr. Die Hütten müssen renoviert und verbessert, Materialseilbahnen repariert, Schäden durch Stürme, Schnee und Vermurungen behoben werden. So kostete beispielsweise innerhalb von zehn Jahren die zweimalige Erneuerung der Kläranlage beim Prielschutzhaus in Hinterstoder jeweils 230.000 Euro. Thomas Poltura: „Da kommt man bei einer Klospülung auf 3 bis 5 Euro.“
Wegen Corona waren in vielen Hütten zusätzliche Trennwände und Schlafräume notwendig, trotzdem konnten nur 50 Prozent  der Nächtigungskapazitäten ausgelastet werden. Dafür freuen sich die Hüttenwirte heuer über einen beispiellosen Andrang an Tagesgästen, wie Dornauer und Poltura bestätigen.