07. Juli 2020

AKTUELLES

80-jähriger Pater aus Linz berichtet vom Corona-Alltag

Seit 52 Jahren als Missionar in Afrika

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Pater Winfried Egler aus Linz wurde diesen Dienstag 80 Jahre alt. Er ist Missionar des Ordens der Mariannhiller mit Sitz im Schloss Riedegg in Alberndorf und seit 52 Jahren in Südafrika im Einsatz. Wie er dort den Kampf gegen das Corona-Virus erlebt, berichtet er in „Hallo“.


Pater Winfried Egler betreut mit 40 Missionsschwester auch ein Heim für Waisenkinder. Angesichts der Corona-Krise sorgt er sich um die Gesundheit der Menschen und um die arme Bevölkerung, die keinerlei finanzielle Reserven hat. Dazu kommt die Angst vor der sonst schon hohen Gewalt im Land. „Die potenzielle Gefahr des Missbrauchs durch Polizei und Militär steigt,“ so der Pater.

Pater Winfried Egler lebt in einem kleinen Haus in Mthatha in der südafrikanischen Provinz Ostkap. Mit 40 Missionsschwestern vom Kostbaren Blut, darunter die Oberösterreicherin Schwester Corda Maria Waldhör, kümmert sich der gebürtige Linzer um ein Heim für 60 Findlingskinder, eine Schule für körperbehinderte Kinder und ein Rehabilitationszentrum, wo Schulabgänger einen Beruf erlernen können. All diese Gebäude stehen derzeit wegen Covid-19 leer, nur die kleinen Waisenkinder werden noch betreut.
Wie geht es Ihnen, Pater Winfried? „Seit 27. März haben wir den so genannten Lockdown, alles ist unter Schloss und Riegel. Zusätzlich ist der Verkauf von Zigaretten und Alkohol verboten. Am Tag nach der Einführung des Lockdown sind Massen von Menschen aus Johannesburg und anderen großen Städten auf’s Land geflohen. In den großen Townships und Slums leben die Leute so dicht aufeinander, an soziale Distanz ist nicht zu denken. Auch hier gab es sofort Panik-Einkäufe.
Ein paar Tage nach dem Lockdown wurden die Alterspensionen und Regierungszuschüsse ausgezahlt. Der Empfänger muss persönlich sein Geld abholen. Ich habe es hier in Mthatha erlebt. Vor dem Postamt standen lange Schlangen und mussten stundenlang warten. Niemand hatte einen Gesichtsschutz, von Abstand halten keine Spur.“
Das Hauptverkehrsmittel in  Mthatha sind Kleinbus-Taxis für bis zu 15 Personen. Alle Fahrgäste sollten Mund-Nasen-Schutz tragen. „Aber woher holen?“, fragt Pater Winfried, der fürchtet, dass das Covid-19 in den Townships ankommt. „Dann wird es dramatisch, denn die Menschen wohnen in diesen Armenvierteln dicht an dicht. Wenn fünf Personen in einer kleinen Blechhütte leben, oder wenn 20 Haushalte das Wasser von einem Wasserhahn in der Straße bekommen, können Vorschriften nicht so genau eingehalten werden wie in Europa.“
Bisher gibt es in Südafrika bei 55 Millionen Einwohnern relativ niedrige Corona-Infektions- und Todeszahlen. Das kann damit zusammenhängen, dass nur schleppend getestet wird.
Pater Winfried: „Seit 1. Mai sind wir von Stufe 5 auf 4 gesetzt worden. Auf Stufe 1 wäre das Leben wieder normal.  Bis dahin wird es noch einige Monate dauern.  Jeder muss jetzt außer Haus eine Gesichtsmaske tragen.  Von 20 bis 6 Uhr ist Ausgangssperre.
Die Menschen werden unruhig.  Sie wollen in die Schule und zur Arbeit. Man hofft, dass ab 1. Juni die Schulen geöffnet werden, die meisten Betriebe, Fabriken, Minen wieder arbeiten können.  Man bereitet sich aber auf die große Krise vor, die man im August/ September erwartet.
 Bedrückend ist, dass die Menschen, indem sie nicht arbeiten können, keinen Verdienst haben und somit der Hunger in der Umgebung immer größer wird.“

 

Für alle, die Pater Winfried und die Missionsschwestern unterstützen wollen, ngibt es ein Spendenkonto der Missionsstelle der Diözese Linz: IBAN AT71 5400 0000 0038 3117, BIC: OBLAAT2L, Kennwort: Mthatha


Missions-Orden besitzt Schloss Riedegg seit 1936

Das „Heimathaus“ von Pater Winfried Egler ist das Schloss Riedegg in Alberndorf im Bezirk Urfahr-Umgebung. Die Mariannhiller Missionare haben das Schloss 1936 erworben und betreiben dort unter anderem ein Gästehaus und Seminarräume.
Gegründet wurde der Orden 1882 nahe der südafrikanischen Hafenstadt Durban am Indischen Ozean vom aus Vorarlberg stammenden Pater Franz Pfanner. Der Namen Mariannhill bedeutet Maria-Anna-Hügel. Pfanner war Trappistenprior von „Maria Stern“ in Banjaluka (Bosnien-Herzogowina).
Mariannhill war der Grundstein zur heutigen Missionszentrale. Aus der ehemaligen Trappistenabtei - sie war zeitweise mit über 300 Mönchen die größte der Welt - entstand unter Papst Pius X. im Jahr 1909 das Zentrum der selbständigen Kongregation der Missionare von Mariannhill (CMM). Abt Franz Pfanner gründete auch die Kongregation der Missionschwestern vom Kostbaren Blut (CPS). Seines 111.Todestages wurde am 24. Mai gedacht.
In Österreich arbeiten Mariannhiller Missionare zur Zeit in vier Diözesen in der Pfarr- und Wallfahrtseelsorge, Kranken- und Altenpastoral, Erwachsenenbildung, als Exerzitien- und Besinnungstagsbegleiter und Religionslehrer.