11. August 2020

AKTUELLES

LESERPOST

Vollendete Tatsache

Während in den letzten Wochen in fast allen Bereichen die Tätigkeiten eingestellt wurden, liefen die Bauarbeiten auf dem für den LASK gerodeten Grundstück im Eigentum der Gemeinde Pasching auf Hochtouren weiter. Für die, zum großen Teil mit Steuergeld finanzierte, Errichtung eines Kunstrasenplatzes und zweier zusätzlicher Fußballfelder wurde sogar die Flutlichtanlage mit etlichen Hubschrauberflügen geliefert. Die Anrainer, die im März fristgerecht ihre Einwendungen gegen den Baubescheid im weiterhin laufenden Bauverfahren eingebracht haben, sollen offensichtlich vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Durch die Behörden werden die Rodung und Förderung mit dem hohen „öffentlichen Interesse“ an der über 45.000 m² großen Sportfläche argumentiert. Gleichzeitig werden die Fußballfelder jedoch mit einem blickdichten Zaun vor dieser Öffentlichkeit geschützt.
Dass im Profi-Fußball durch öffentliche Förderung weiterhin viel Geld verfügbar ist, zeigen auch die Covid-Tests, die nun täglich für Betreuer und Spieler durchgeführt werden – Tests, die ebenso gut beim medizinischen Personal und im Bereich der Altenpflege eingesetzt werden könnten.

Ruth Kropshofer, Bürgerinitiative Waldschutz-Pasching

Doppelmoral

Wir empören uns über die Brandstiftungen im Amazonasgebiet, holzen aber ungeniert Bäume ab, um - wie in Pasching - einen Fußballplatz zu errichten. Dabei gäbe es dafür einfache Lösungen, ohne einen Baum fällen zu müssen. Es gibt zahlreiche Sportplätze, die verwaist sind, weil sich die Vereine aufgelöst haben. Und was hört man zu diesem Thema von den Grünen (?), die vor jeder Wahl Sorge um Umwelt, Natur und Klima heucheln? Auch Fußballer sind potentielle Wähler, darum wird man von der Ökoecke auch in Zukunft nichts dazu hören. Das Roden eines Waldes zugunsten eines Fußballfeldes ist genauso ein Schwachsinn wie der Bau eines Stadions im Naherholungsgebiet.

Mag. Ewald Hager, Kronstorf

Partnerschaft?

Eine große heimische Handelskette betont diese Woche in ihrem Flugblatt, dass sie in den derzeit schweren Zeiten zu den österreichischen Partner-Lieferanten steht und tausende Arbeitsplätze in der Landwirtschaft sichert. Unsere heimischen Milchbäuerinnen und Milchbauern gehören da offenbar nicht dazu. Wie sonst ist es zu erklären, dass diese Handelskette in ihrem Gutscheinheft gleichzeitig irische Billigbutter und ein ebenfalls ausländisches Frucht-Topfen-Dessert zu absoluten Dumping-Preisen anbietet. Und das zu einem Zeitpunkt, wo der heimische Milchmarkt durch die Corona-Krise massiv unter Druck steht.
Den Verantwortungsträgern dieser Handelskette fehlt es in dieser Krisensituation nicht nur an Fairness gegenüber den heimischen Milchbauern, sondern auch an Verantwortung gegenüber den Konsumenten und unserer Volkswirtschaft.

LAbg. Michaela Langer-­Weninger, Präsidentin der OÖ-Landwirtschaftskammer

Tödliche Gefahr

In diesen Tagen, vielleicht auch die nächsten Monate hat uns ein ganz kleines Element im Griff. Ein Virus wird unser Leben für längere Zeit verändern - für manche sogar für immer. Es könnte daraus eine der größten Katastrophen unserer Zeit werden. Verunsicherung und Ungewissheit herrschen. Nur eines ist gewiss, wir werden es als Gesellschaft überstehen. Dieses kleine Virus wird die Menschheit nicht ausrotten.
Leider gibt es ein ähnlich kleines Element, das das Potential hat, die Menschheit auszurotten. Es ist - an und für sich - ein ganz harmloses Molekül, das nur durch sein Überhandnehmen ein riesiges Problem wird. Es heißt CO2. Dieses kleine Molekül hat - im Gegensatz zum Corona-Virus - wirklich das Potential uns auszulöschen, nicht heute oder morgen, nicht in diesem Jahr. Deshalb nehmen wir Menschen diese reale, immer größer werdende, tödliche Gefahr auch nicht so ernst.
Deshalb nutze ich den Moment, der uns wahrscheinlich etwas demütiger macht, und bitte euch inständig: Nachdem wir den Kampf gegen dieses Virus gewonnen haben werden, beginnen wir endlich ernsthaft den Kampf gegen unsere selbstzerstörerische Lebensweise und für ein angstfreies Leben unserer Kinder!

Jürgen Hutsteiner, Steyr

Maturanten werden sich selbst überlassen

Mein ganzes bisheriges Leben lang wurde mir gesagt, dass die Zeit meiner Matura für mich die erste große Prüfung  meines Lebens sein würde. Der Stress und die Anstrengungen würden in den Wochen vor dem gefürchteten Examen ihren Gipfel finden, wurde mir prophezeit. Doch die Situation, in der wir uns zurzeit befinden, die hat wohl wirklich niemand vorhersehen können. Schon über den schicksalsträchtigen März-Anfang hinweg war unsere Abschlussklasse angespannt, beinahe im Stundentakt wurden neue Meldungen aus den offiziellen Kanälen hitzig diskutiert. Die üblichen Gespräche und lapidaren Späße waren damals bereits der Nervosität in Anbetracht der sich anbahnenden Krise gewichen. Am Donnerstag unserer vorerst letzten Schulwoche platzte schließlich die Bombe: Ab Montag würden alle Schulen bis auf weiteres aufgrund der grassierenden Covid-19 Pandemie geschlossen bleiben. Der Unterricht sollte jedoch, so hieß es, regulär auf eLearning-Basis fortgesetzt werden. Die damit einhergehenden Herausforderungen, in einem Land wie Österreich, welches sich nicht gerade für seine Digitalisierung rühmen kann, durfte man zu diesem Zeitpunkt nur erahnen.
Zuhause lautete das Credo dann erst einmal „ausharren“. Auch spöttische Kommentare berufstätiger Familienmitglieder, die noch nicht in Kurzarbeit geschickt wurden, standen auf der Tagesordnung („Jetzt habt’s noch mehr Ferien!“). Wie zu erwarten war, versorgten uns bei weitem nicht alle Lehrkräfte von Anfang an mit Arbeitsaufträgen, manche nur halbherzig. Wann es mit dem Schulbetrieb weitergehen soll, und ob wir überhaupt maturieren werden dürfen, darüber, so schien es, konnte uns niemand Auskunft erteilen. Schon bald gewöhnte man sich an den neuen Fernunterricht: Dass zu dieser Art des Lernens auch eine gewisse  Selbstdisziplin gehört, sollte man von angehenden Maturanten erwarten können. Trotzdem werden viele von uns von Sorgen und Ängsten geplagt. Keiner wusste mehr, ob man nach der Matura sicher den Präsenzdienst antreten, geschweige denn eine feste Zusage zu einem Studien- oder Arbeitsplatz wahrnehmen werden könne.
Für uns Maturanten war und ist es in dieser Zeit besonders wichtig, Eigenverantwortung zu übernehmen, sich nicht nur zum aktuellen Lernstoff zu informieren, sondern auch über die Nachrichten auf dem Laufenden zu bleiben. Nun soll Ende Mai doch eine „Matura-Light“ stattfinden. Mit Informationen, wie diese ablaufen soll, wurden wir bisher jedoch größtenteils im Dunkeln gelassen.

Martin Pichler, HTL-Maturant
aus  Gramastetten