11. August 2020

AKTUELLES

Hochzeits-Chaos

Die Hochzeitsglocken verstummen


Der Veda-Hof in Gramastetten gehört zu den beliebtesten Hochzeitslokalitäten in Oberösterreich. Hier gibt es einzigartigerweise auch eine Kirche für fünf Weltreligionen.

Zu Ostern blieben die Kirchenglocken traditionellerweise  stumm, weil sie nach Rom geflogen waren, wie der Volksmund weiß. Jetzt läuten sie wieder in den (noch leeren) Gotteshäusern. Die Hochzeitsglocken wird man heuer im ganzen Land kaum hören, denn wer will schon unter Ausschluss seiner Angehörigen und Freunde heiraten?
„Rund 5.000 Hochzeiten müssen in Oberösterreich auf neue Termine verschoben werden,“ schätzt der Innviertler Bernhard Fichtenbauer, der mit www.hochzeits-location.info Österreichs größtes Hochzeitsportal betreibt.
Etwa zwei Drittel aller Verehelichungen finden in Nicht-Pandemiezeiten von März bis August statt. Da haben in diesem Jahr die Standesbeamten wenig zu tun. Täglich werden Hochzeitstermine verschoben, Ausweichtermine sind knapp, viele Heiratswillige verschieben ihre Pläne in den Winter oder auf nächstes Jahr.
Im Vorjahr gaben sich in Oberösterreich 7.694 Paare das Ja-Wort (österreichweit 44.997), das waren um 5,5 Prozent weniger als 2018 mit 8.139 Eheschließungen. Ein Nachkriegsminimum erreichte man in unserem Bundesland 1988 mit 5.324 neuen Ehen. Im Jahr davor, 1987, gab es allerdings den absoluten Rekordwert von 14.199 Eheschließungen in Oberösterreich (bundesweit 76.205).
Der Grund dafür lag in einer Heiratsprämie von 15.000 Schilling (1.090 Euro), die Bruno Kreisky 1972 eingeführt hatte und die 1987 das letzte Mal ausbezahlt worden ist.
Mehr als ein Drittel aller Ehen geht wieder in die Brüche. Mit 2.470 Scheidungen lag die Gesamtscheidungsrate 2018 in Oberösterreich bei 37,1 Prozent.z