13. November 2019

KOMMENTAR

von Manfred Radmayr

Der richtige Weg


m.radmayr@hallo-zeitung.at

Verachtet mir die Meister nicht, und ehrt mir ihre Kunst! Dieses Zitat aus Richard Wagners „Meistersinger“ muss wieder mehr in unser Bewusstsein rücken, und zwar, wenn es um Fachkräfte für die Wirtschaft geht. Nicht die angeblich zu niedrige Akademikerquote ist das Problem, sondern der Mangel an fachspezifisch bestens ausgebildeten Frauen und Männern. In diesem Zusammenhang ist Oberösterreichs Wirtschaftskammer in Kooperation mit Berufsschulen, Fachhochschulen und Arbeitsmarktservice ein großer Wurf gelungen: die Duale Akademie. Sie wurde für Maturanten, Studienabbrecher und Berufsumsteiger geschaffen, um sie vorerst einmal in neun Berufsfeldern, mittelfristig sollen es 15 Branchen werden, gezielt in den Arbeitsmarkt zu führen. Mit attraktivem Einstiegsgehalt, maßgeschneiderter Ausbildung und Karrieremöglichkeiten (Bericht Seite 7). Bisher gingen von 100 Maturanten nur ein bis zwei in eine Berufsschule. Das ändert die Duale Akademie.
Und das ist der richtige Weg, der im restlichen Österreich und im Ausland bereits für Aufmerksamkeit sorgt. Wir brauchen nicht mehr Akademiker, sondern mehr Dual-Akademiker, die vom ersten Tag an mitten im Beruf stehen und dort zur Fachfrau oder zum Fachmann heranwachsen. Und wir brauchen mehr Wertschätzung für Menschen mit handwerklichen Fähigkeiten oder der Liebe zu Pflege- und Altenbetreuungsberufen. Sie werden durch Künstliche Intelligenz und Digitalisierung nie zu ersetzen sein, sie befinden sich aber im gesellschaftlichen Ansehen im Aufzug nach unten. Unverständlich! Ich pfeife auf selbstfahrende Autos. Wenn die Heizung oder der Abfluss nicht funktionieren, brauche ich einen Installateur. Und wenn ich nicht mehr weiter kann, eine (24-Stunden-)Betreuung. Fachkräfte, die mir in solchen Situationen helfen, sind zwar teuer, aber eigentlich unbezahlbar.