19. Dezember 2014

REPORTAGE

Die längste befindet sich im Toten Gebirge und misst 140,5 km

Forscher kennen in OÖ 3.000 Höhlen

Oberösterreich ist ein Land der Berge - und der Höhlen: 3.000 sind bisher erfasst. Das Schönberg-Höhlensystem im Toten Gebirge liegt mit 140,5 km auf Platz 13 der längsten Höhlen der Welt. Etwa 100 Landsleute erforschen unermüdlich die heimische Unterwelt. Unfälle sind zum Glück eine Seltenheit.


Das Schönberg-Höhlensystem gehört zu den bevorzugten Forschungsobjekten der oberösterreichischen Höhlenkundler. Hier dringt man noch immer weiter in den Berg ein, und hier schlummern noch viele neue Systeme. Fotos (2): Harry Zeitlhofer

„Das Spannende ist, dass man von einem Meter auf den anderen nicht weiß, was einen erwartet,” erzählt Harald Zeitlhofer. Der 43-jährige Software-Spezialist aus Unterweitersdorf ist seit seinem 16. Lebensjahr in Höhlen unterwegs und Obmann des Landesvereins für Höhlenkunde. Insgesamt haben die Vereine in Linz, Sierning, Ebensee und Hallstatt an die 1.000 Mitglieder, doch nur etwa 100 Landsleute widmen sich in ihrer Freizeit regelmäßig der Höhlenforschung.

Das Überraschungsmoment ist nicht die einzige Faszination der Unterwelt, die sich im Lauf von 200 bis 250 Millionen Jahren und nach der Auffaltung der Alpen vor 65 Millionen Jahren durch Ausschwemmungen gebildet hat. Hier bekommen die Frauen und Männer im Schein ihrer Stirnlampen die verschiedensten Tropfsteine, riesige Hallen und Schluchten, Seen, Eis, versteinerte Tiere und manchmal sogar lebende zu sehen. Zum Beispiel Fledermäuse, Höhlenkäfer oder Pseudoskorpione, das sind zwei Zentimeter große Spinnen mit Scheren.

Neben dem Dachsteinmassiv sind Totes Gebirge, Sengsengebirge und Höllengebirge die „Spielwiesen” der Forscher. Hier wird unter Tag vermessen, skizziert und der Weg abgesichert. Das Schönberg-Höhlensystem, ein Zusammenschluss von Feuertalsystem und Raucherkarhöhle, ist vorerst 140,5 km lang und 1.060 m tief. Weltweit sind nur zwölf Höhlen länger, in Europa nur zwei in der Schweiz.

Zu einem Höhlenforscher gehört viel Fachwissen, Geschick und Kletterkunst, aber nicht der Leichtsinn. Daher gibt es auch kaum Unfälle. Der letzte passierte in Oberösterreich vor fünf Jahren und ging mit einem Handbruch recht glimpflich aus. Zeitlhofer: „Die Höhlenretter verzeichnen mehr Unfälle am Weg zur oder von der Höhle heim als in der Höhle.”


„Im Vorjahr haben wir am Schönberg einen Tag lang gezielt nach neuen Höhlen gesucht und zehn gefunden,” sagt Harald Zeitlhofer (Bild). Der Obmann der oberösterreichischen Höhlenforscher war auch bei der Rettungsaktion in der 19 km langen Riesending-Höhle im Untersberg dabei. „In der ersten Woche habe ich zwei Tage in der Einsatzleitung mitgearbeitet, in der zweiten Woche vier Tage lang die Strecke zwischen dem ersten und zweiten Biwak präpariert und bei der Bergung im letzten 180 m hohen Schacht geholfen”. Insgesamt waren 15 Höhlenexperten aus Oberösterreich am Untersberg im Einsatz. Bei normalen Höhlenbefahrungen, wie die Expeditionen genannt werden, sind meistens Dreier- oder Viererteams unterwegs. Die größte Gefahr sind Steinschläge. Harry Zeitlhofer: „Im Schönberg hat mich heuer ein großer Brocken um 20 cm am Kopf verfehlt und nur am Fuß getroffen. Hätte er mich voll erwischt, wäre es wahrscheinlich schlimmer als im Untersberg ausgegangen. So war ich nach zwei Stunden Ruhe wieder einsatzfähig.”

30 Unterweltsysteme als Naturdenkmäler


Ein Entdecker der Klarahöhle ist Helmut Steinmassl. Foto: Markus Lutz

30 oberösterreichische Höhlen wurden von der Naturschutzabteilung des Landes zu Naturdenkmälern erklärt. Dazu gehört neben der Dachstein-Rieseneishöhle und der Rettenbachhöhle im Sengsengebirge unter anderen auch die Klarahöhle im Nationalpark Kalkalpen in den Gemeinden Rosenau und Roßleithen.

Entdeckt wurde die Klarahöhle 1999 von sechs Mitgliedern des Höhlenkundevereins Sierning: Helmut Steinmassl (Spital), Ralf Cassebaum und Manfred Hiebl (Windischgarsten), Markus Lutz (Stadl-Paura), Michael Sonnleitner (Leonstein) und Emmerich Wallerberger (Steinbach an der Steyr). Bisher sind mehr als 24 km in der Klarahöhle erforscht. Dabei fand man auch Knochen von Höhlenbären. In der Rameschhöhle in Spital/Pyhrn stieß man auf Steinwerkzeuge der Neandertaler.