REPORTAGE
Hörschinger Pensionist hat in 25 Jahren alle Meere und 170 Länder bereist
85-Jähriger bricht zu seiner 25. Weltreise auf
Oben: Josef Kitzmüller mit Partnerin Regine aus Köln, die ihn seit einigen Jahren auf den Reisen begleitet. Einen Rettungsring hat der Hörschinger bei all seinen Kreuzfahrten nie gebraucht. Es gab keinen einzigen ernsthaften Zwischenfall. Rechts: Kitzmüllers Lieblingsschiff, die 500 Passagiere fassende „Albatros”. Sie ist sein zweites Zuhause.

Kitzmüllers Lieblingsschiff, die 500 Passagiere fassende „Albatros”. Sie ist sein zweites Zuhause.
„Jetzt regnet’s schon wieder!” Der Blick aus dem Fenster seiner Wohnung in Hörsching verdirbt Josef Kitzmüller die Laune. „Ich bin ein Sonnenanbeter. Selbst wenn ich nur Meer um mich sehe, fühle ich mich schon wohl.” Deshalb sind Kreuzfahrtschiffe für den Mühlviertler Wirtssohn zur zweiten Heimat geworden.
In einer Woche hat das Trübsalblasen im oberösterreichischen Winter wieder einmal ein Ende. Kitzmüller hebt am Frankfurter Flughafen ab nach Neuseeland, wo er sein Lieblingskreuzfahrtschiff besteigt: die deutsche „Albatros”. Es wird für den 85-Jährigen die 25. Weltreise in 25 Jahren.
Begonnen hat die Kreuzfahrtleidenschaft des kaufmännischen Angestellten, „als ich mit 60 Jahren in Pension gegangen bin. Da las ich auf einem Prospekt ,Um 9.999.- DMark rund um die Welt’. Das hat mir sofort gefallen.”
Die erste Weltumrundung per Schiff führte Kitzmüller von Genua nach Genua. Fünfmal hat er später diese Kreuzfahrt auf unterschiedlichen Routen wiederholt. Dazwischen drängte das Fernweh Kitzmüller regelmäßig zu weiteren Weltreisen. Alle Kontinente und Weltmeere wurden angesteuert. Kitzmüller schipperte mehrmals durch Panama- und Suezkanal, war in Spitzbergen und zweimal am Nordkap, neunmal auf Tahiti, auf den Osterinseln, auf dem Sinai, auf den Färöern, den Salomonen und der Robinsoninsel in Chile. Er stand auf Vulkanen in Costa Rica, besuchte das Sultanat Brunei und ist noch immer beeindruckt von der dreiwöchigen Expeditionskreuzfahrt in die Antarktis. Zum Jahreswechsel 2010/2011 ging’s von Monte Carlo per Schiff nach Rio de Janeiro. „Der Blick vom Zuckerhut auf die Stadt gehört zum eindrucksvollsten, was ich je gesehen habe,” schwärmt der verwitwete Vater einer Tochter und Urgroßvater.
Wenn Kitzmüller am 6. Februar in Aukland die „Albatros” besteigt, warten 44 Tage Seefahrt auf ihn. Zuerst geht’s rund um Neuseeland, dann nach Tasmanien, schließlich werden die großen Städte Australiens angefahren. Bali und Singapur folgen, ehe der Oberösterreicher auf Sri Lanka den Rückflug antritt. Auf dieser Reise gibt es nichts, was Kitzmüller noch nicht kennt. „Da war ich schon überall. Trotzdem freue ich mich drauf.”
Insgesamt machte der Weltreisende in 170 Ländern Station. Schon vor seinen Kreuzfahrtreisen war Kitz- müller viel unterwegs. Von 1959 bis 1962 arbeitete er in Australien und bereiste dabei den ganzen Kontinent. Zwei Jahre später arbeitete er als Hotelmanager in Südafrika und tourte dann per Bus, Bahn und Nilschiffen von Johannesburg durch ganz Afrika nach Kairo.
Auf all seinen Reisen ist Josef Kitzmüller ein Sparmeister. „Ich schaue auf’s Geld. Auf Luxus lege ich keinen Wert. Ich fahre fort, um möglichst viel von der Welt zu sehen.” Und wenn er in seine kleine Wohnung in Hörsching heimkehrt, umgeben ihn dort Souvenirs aus aller Herren Länder. „Ich lebe in einem Museum,” lacht der Mann, der die ganze Welt kennt.

Josef Kitzmüller
mit Partnerin Regine
aus Köln, die ihn seit
einigen Jahren auf den
Reisen begleitet.
Einen Rettungsring
hat der Hörschinger
bei all seinen
Kreuzfahrten nie
gebraucht. Es
gab keinen einzigen
ernsthaften Zwischenfall.

