07. Februar 2012

AKTUELLES

Forscher aus Linz liefern die Software für scharfe Bilder

Riesenfernrohr sucht nach Außerirdischen

Sind wir alleine im Universum? Antwort darauf soll das größte Teleskop der Welt liefern, dessen Planung gerade auf Hochtouren läuft. Damit das Riesenfernrohr von der Größe eines Fußballstadions scharfe Bilder liefert, entwickeln Industriemathematiker der Universität Linz eine spezielle Software zur Spiegeleinstellung.


Univ. Prof. Ronny Ramlau

Damit das größte Auge der Welt auch scharf sieht, zerbrechen sich in Linz acht Experten seit Oktober den Kopf. Angeführt von Univ. Prof. Ronny Ramlau, stellvertretender Vorstand des Instituts für Industriemathematik an der Johannes Kepler-Universität, arbeiten sie an einer Software zur Spiegelkorrektur des geplanten European Extremly Large Telescope (E-ELT), des weltweit größten Fernrohrs, das 2018 auf dem 3.060 Meter hohen Cerro Armazones in der chilenischen Atacama-Wüste aufgestellt werden soll.

Insgesamt wird das Teleskop aus fünf Spiegeln bestehen. Der größte hat einen Durchmesser von 42 m, ist also etwa halb so groß wie ein Fußballfeld. Dieser Hauptspiegel setzt sich aus 984 sechseckigen, 5 cm dicken Einzelsegmenten zusammen. Wegen der durch Temperaturunterschiede hervorgerufenen Turbulenzen in der Atmosphäre müssen die biegbaren Spiegel ständig nachjustiert werden, um optimale Bilder zu erhalten. „Unsere Aufgabe besteht darin, dass scharfe Aufnahmen zur Erde kommen,” erklärt Professor Ramlau, dessen Institut in Sachen angewandte Mathematik Weltruf genießt. Zu lösen ist das Problem, „indem wir aus den vielen Messdaten Informationen extrahieren, die man nicht messen kann,” so Ramlau. Vier Jahre haben der 43-Jährige und sein Team, zu dem Fachleute aus dem Linzer Johann Radon Institut der Akademie der Wissenschaften und des Linzer Industrial Mathematics Competence Center gehören, dafür Zeit. Der Auftrag ist mit zwei Millionen Euro dotiert.

Hunderte Astronomen aus ganz Europa arbeiten an der Entwicklung von E-ELT, von dem sie sich revolutionäre Erkenntnisse erwarten. Unter anderem geht es um den Nachweis eines erdähnlichen Planeten, auf dem es Leben gibt oder sich bilden könnte. Außerdem erhofft man Aufschlüsse über die Entstehung der Sterne, über Nachbargalaxien, Schwarze Löcher und unsichtbare Dunkle Materie.


GIGANTISCH …
… sind die Ausmaße des größten Observatoriums der Welt. Das Gebäude von der Größe eines Fußballstadions wird etwa 80 m hoch und ein nach zwei Seiten zu öffnendes Schiebedach erhalten. Das Großfernrohr der Extraklasse soll etwa 15 Mal schärfer sehen können als das Weltraumteleskop Hubble. Geschätzte Baukosten: eine Milliarde Euro. Ausgeheckt wurde das E-ELT von der ESO, der Europäischen Organisation für astronomische Forschung in der südlichen Hemisphäre. Österreich gehört seit 2008 zur ESO.