20. Mai 2012

GESUNDHEIT

Oberösterreichs Altenbetreuung steht mit dem Rücken zur Wand

Zuwenig Geld, zuwenig Personal

Schönreden hilft jetzt nicht mehr. Das wissen auch die verantwortlichen Politiker. „Wir brauchen doppelt so viel Geld im System. Und das muss rasch her! Wir haben keine Zeit mehr, weil wir kein Geld mehr haben,” legt LH-Stv. Josef Ackerl als Sozialreferent die Karten offen auf den Tisch. Er hat Sozialminister Rudolf Hundstorfer die oberösterreichische Bedarfsentwicklung bis ins Jahr 2020 übermittelt. Demnach steigen die Kosten für mobile Betreuung, Hauskrankenpflege, Alten- und Pflegeheime sowie Tagesbetreuung in unserem Land von derzeit insgesamt 195 Millionen auf 317 Millionen Euro im Jahr.

Auch LH Dr. Josef Pühringer ist als Gesundheitsreferent die dramatische Situation bewusst. „Etwa 300 Plätze sind derzeit in Oberösterreichs Alten- und Pflegeheimen nicht belegt, weil rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fehlen,” bekennt Pühringer. Viele Heime sind verzweifelt auf der Suche nach Fachpersonal. Pühringer: „Wir haben zwar die Ausbildungskapazitäten der Gesundheits- und Spitals-AG des Landes bereits um 500 zusätzliche Plätze aufgestockt, aufgrund der Ausbildungsdauer stehen diese diplomierten Fachkräfte aber erst in zweieinhalb Jahren zur Verfügung.”

Verschärft wird die Lage durch die Altersstruktur beim Pflegepersonal. Es gehen mehr Pflegekräfte in Pension als nachkommen. Der Pflegeberuf gilt zwar als DER Zukunftsberuf, doch sein Image und die Bezahlung sind schlecht. Trotz der guten Jobaussichten besteht wenig Interesse an Sozialberufen. „Menschen in der Altenbetreuung und Pflege verdienen zwar besser als im Verkauf aber weniger als Facharbeiter,” kritisiert Josef Ackerl.

Der Sozialreferent fordert vom Bund einen Pflegefonds und einen neuen Finanzausgleich zwischen Bund, Ländern und Gemeinden, wobei vor allem die Gemeinden mehr Geld bekommen sollten.