07. Februar 2012

KOMMENTAR

Defensivtaktik ist gefragt


Chefredakteur Manfred Radmayr

wir schauen in den Abgrund. Die Welt steht vor dem Zusammenbruch ihrer nicht mehr zu durchblickenden Finanzarchitektur. Dass sich der Markt selbst reguliert, muss aus den ökonomischen Lehrbüchern gestrichen werden. Bankenkrise - Wirtschaftskrise - Staatenkrise! Wie geht es weiter? Galt bisher die Schuldenpolitik als Allheilmittel, so ist jetzt  allerorts Sparen angesagt.
Nur in der glamourösen Welt des Profifußballs hat man davon noch nichts gehört. Dort lebt man weiter in Saus und Braus auf Pump. Im Freudentaumel zur bevorstehenden Weltmeisterschaft hat die Krise kein Leiberl. Vielmehr bejubelte Joseph Blatter als Präsident des Weltfußballverbandes im Vorjahr den Kauf der Spieler Kaká und Christiano Ronaldo durch Real Madrid für insgesamt 159 Millionen Euro als „super, denn das zeigt, welch’ hervorragendes Produkt der Fußball ist.” Dieser Mann lebt am Mond.
Der spanische Klub hatte zum damaligen Zeitpunkt 200 Millionen Euro Schulden und musste für den Spielerkauf zwei Kredite über insgesamt 151,5 Millionen aufnehmen. Am Leben ist der Verein nur noch, weil ihm 2001 mit Hilfe der Stadt Madrid  das Trainingsgelände für 480 Millionen abgekauft worden ist. Die „königlichen” Madrilenen sind    aber gar nicht die Schuldenkönige. Der FC Valencia steht mit 540 Millionen, Schalke 04 mit 248,6 Millionen, alle italienischen Serie A-Klubs zusammen mit zwei Milliarden, Liverpool mit 270 Millionen in der Kreide. Bei einem Vorjahresumsatz von 217 Millionen. Das sind griechische Relationen und nur der Bruchteil einer endlosen Liste. Ganz zu schweigen von Pleiten wie dem FC Kärnten oder GAK, der in kurzer Zeit zum dritten Mal in die Insolvenz schlitterte. Die Vereine werden sich von ihrer ruinösen Finanz- und Transferpolitik verabschieden müssen, denn die Banken geben kein Geld mehr und die öffentlichen Hände sind finanziell gebunden. Budgetäre Defensivtaktik steht am Spielplan.

m.radmayr@hallo-zeitung.at