20. Mai 2012

AKTUELLES

12.000 Euro Telefonkosten

Ohne Handy geht heutzutage fast nix mehr. Dabei gleicht die Tarifvielfalt längst einem gefährlichen Dschungel. Das zeigt das Beispiel eines Mädchens in Bad Hall: Durch die Übernahme eines Netzbetreibers galt plötzlich der vereinbarte „Flat-Tarif” nicht mehr und dem Vater flatterten Rechnungen über insgesamt 12.000 Euro ins Haus!

Es begann im Jahr 2006: Die 13-jährige Tina bekam ihr erstes Handy. Der Zweijahres-Vertrag mit dem Netzbetreiber ONE hieß „4:0”, das heißt: Telefonieren in 4 Netze ist gratis, egal wie oft und wie lange. Die monatliche Fixgebühr von rund 25.- Euro zahlte der Vater immer pünktlich ein.

Die Probleme begannen im Dezember 2008, als das Handy plötzlich nicht mehr funktionierte. Die Schülerin erhielt einen Anruf, dass es gesperrt sei. „Das gibt’s doch nicht”, antwortete der Vater, „es wurden immer alle Gebühren bezahlt”. Da fragte die Telefondame: „Sitzen’s eh gut? Wir müssen zuerst die offene Rechnung von 2.035.- Euro kassieren”. Der 45-jährige: „Aber wir haben doch das 4:0-Paket!” Daraufhin wurde er in die Technikabteilung verbunden, wo ihm gesagt wurde, dass alles nur ein „Server-Problem im Zuge der Umstellung” gewesen sei. Und prompt - binnen weniger Minuten - war das Handy wieder freigeschaltet. Und ruhigen Gewissens, weil er ja Monat für Monat den Tarif bezahlt hatte, erlaubte der Möbelverkäufer seiner Tochter, wie bisher weiterzutelefonieren.

Das tat das Mädchen mit Leidenschaft. Oft auch mithilfe ihres Headphonesets knüpfte es täglich bis zu 4 (!) Stunden einen heißen Draht zu Freundinnen, oft bis zu 30 Stunden pro Woche.

Kurz danach flatterte der Bad Haller Familie plötzlich eine Rechnung über 4.746.- Euro ins Haus. Absender war erstmals „Orange”, das „ONE” übernommen hatte. Da man durch das Telefonat mit der Technikabteilung an ein Serverproblem glaubte, erhob man gegen die Rechnung Einspruch. Das Mädchen telefonierte munter weiter …

In der Folge stellte sich heraus, dass bereits im September 2008 statt des „4:0”-Tarifs nur mehr 1.000 Minuten pro Monat frei waren. Eine Info über die Tarifumstellung stand nur auf der Rückseite einer Rechnung, die übersehen worden war. Als man von der Umstellung erfuhr, stellte die mittlerweile 15jährige das Telefonieren sofort ein. Für ca. ein halbes Jahr fielen Telefongebühren von fast 10.,000 Euro an. Mit den Kosten des Inkassobüros fast 12.000 Euro. Der Steyrer Anwalt Mag. Eduard Aschauer hat die Rechtsvertretung der Bad Haller Familie übernommen: „Der neue Betreiber hat den Kunden über die Tarifänderung nicht ordnungsgemäß informiert. Eine unauffällige Information auf der Rückseite einer Telefonrechnung ist nicht ausreichend. Hätte die Familie von der Tarifänderung gewusst, wäre selbstverständlich ein anderer Tarif gewählt worden.”