07. Februar 2012

AKTUELLES

78 Prozent der Oberösterreicher horten massenhaft unnütze Gegenstände

Entrümpeln brächte uns satte 290 Millionen Euro!

Die Oberösterreicher sind ein Volk von Sammlern. 78 Prozent der Landsleute horten in Wohnung, Kellern und Dachböden ungenützte Gegenstände und Gerümpel im Wert von 290 Millionen Euro. Höchste Zeit für einen Frühjahrsputz. Das Ausmisten bringt Platz und Geld!

„Nie ist zuwenig, was genügt!” Dieses Wort des römischen Philosophen Seneca nahm sich der junge Wissenschaftler Gregor Sieböck aus Bad Ischl zu Herzen, als er 2003 mit 26 Jahren zu einem dreijährigen Fußmarsch über 15.000 km und die halbe Welt aufbrach. Der Rucksack des Weltenwanderers wog 18 Kilo.

Sieböck hatte seine Habseligkeiten auf das Allernotwendigste reduziert. Für 78,3 Prozent der Oberösterreicher ist diese Vorstellung ein Horror. Sie beherbergen in Kellern und Dachböden Unmengen an ungenützten Gegenstände. Vor allem die 30- bis 49-jährigen horten in ihrem Haushalt überflüssiges Zeug.

Das ergab eine repräsentative Umfrage unter Internetnutzern, die der Online-Marktplatz www.ricardo.at heuer in Auftrag gab. Österreichweit plagt die Sammelwut 69,8 Prozent der Bevölkerung. Die Oberösterreicher sind in diesem Punkt gemeinsam mit den Salzburgern einsame Spitze.

Bei manchen Menschen nimmt die Sammelleidenschaft sogar krankhafte Züge an. Sie leiden unter dem Messie-Syndrom (mess kommt aus dem Englischen und bedeutet Unordnung). „Die Ursachen dafür sind vielfältig und gehen häufig mit anderen psychischen Störungen einher,” weiß Mag. Gerda Mühlegger, Psychotherapeutin im Verein EXIT-sozial für psychosoziale Dienste in Linz.

Die Messies kommen aus allen sozialen Schichten. Ihre Wohnungen sind vollgestopft mit Dingen, „die für Außenstehende wertlos sind, für die Betroffenen aber große Bedeutung haben. Sich von ihnen zu trennen ist mit psychischen Schmerzen und Trauer verbunden,” erklärt Mühlegger. Ein bekannter Messie war der verstorbene Opernkritiker Marcel Prawy, der zuletzt sogar im Hotel wohnte, weil seine Wohnung bis oben hin vollgestopft war.

Prinzipiell ist der Lebensstil eines Messie seine Privatsache. Problematisch wird es, wenn ein seelischer Leidensdruck entsteht, die Feuerpolizei Alarm schlägt oder die sozialen Kontakte leiden. „Es gibt Fälle, wo die Kinder keine Freunde mehr einladen können, weil die Wohnung so vollgeräumt ist, dass dafür kein Platz mehr besteht,” weiß Mühlegger.

Bevor einen die unnützen Dinge zu erdrücken beginnen, ist es besser auszumisten. Das schafft nicht nur Bewegungsraum, sondern bringt auch Geld ins Börsel. Dr. Burkhard Henn, bis vor kurzem Geschäftsführer der ricardo.at GmbH und zuvor Mitarbeiter des Branchenriesen e-Bay schätzt, dass pro Haushalt Trödel im Wert von 500 Euro schlummert. Das macht für Oberösterreichs Haushalte Gebrauchtware im Gesamtwert von 290 Millionen Euro. Auch Nicola Pohoralek, Marketing-Lady von ricardo.at, meint, dass man „mit regelmäßigem Verkauf alter Dinge 200 bis 300 Euro Taschengeld pro Jahr verdienen kann.” Gerade in Krisenzeiten sollte man diese Möglichkeit in Erwägung ziehen.

Trauner Autorin landete mit „Der Sammler” Bucherfolg


Vielleicht nicht ganz zufällig hat eine Oberösterreicherin mit einem Roman über einen Messie einen großen literarischen Erfolg gelandet. Die in Traun geborene Autorin Evelyn Grill (Bild) veröffentlichte 2006 das Buch „Der Sammler” (Residenz Verlag, 240 Seiten, 19,90.- Euro), in dem die Hauptfigur Alfred Irgang nachts durch die Stadt streift und alles nach Hause schleppt , was er für brauchbar hält: von abgelegter Kleidung über Joghurtbecher und Konservendosen bis zu Sexspielzeug. Was für Alfred Irgang seine Ordnung hat, empfindet seine Umwelt als unappetitliche Anhäufung von Müll. Evelyn Grill (68) wurde für „Der Sammler” mit dem Grazer Otto-Stoessl-Preis ausgezeichnet, der alle zwei Jahre an namhafte deutschsprachige Autoren vergeben wird. Grill lebt seit 1986 in Freiburg im Breisgau.