REPORTAGE
l Vor 60 Jahren rollte in Wolfsburg der erste VW-Kastenwagen vom Band
Ein Kultfahrzeug feiert seinen 60er!
Der VW-Bus, liebevoll „Bulli” genannt, hat Fans auf der ganzen Welt. Der größte Verehrer wohnt in Steyr. Christian Haslinger gilt als der Bulli-Papst. Sein Leben steht im Zeichen dieses Kultautos. Der 43-Jährige besitzt 29 Bullis. „Hallo” war zur Audienz geladen.

Christian Haslinger hat sein mechanisches Können als Autodidakt erlernt. Sein Lehrmeister war Willi, ein mittlerweile pensionierter VW-Mechaniker aus Sierning. Haslingers erstes Bulli-Meisterstück war die Renovierung eines taubenblauen Kastenwagens aus dem Jahr 1953. Er fährt - dank Ausnahmegenehmigung - auch heute noch mit Winker statt Blinker.
Man kann ihm stundenlang staunend zuhören. Ein beeindruckender Mann erzählt von einem faszinierenden Fahrzeug. Christian Haslinger ist Diplompädagoge. Der Lehrer für Mathematik und Physik hat aber nie in einer Schule unterrichtet. Sein „Klassenzimmer” ist seit mehr als 20 Jahren das Auto. Haslinger arbeitet als Fahrschullehrer und betreut das Fahrsicherheitstrainingszentrum in Enns.
„Mein Leben dreht sich seit jeher um Fahrzeuge. Zuerst waren es Fahrräder, dann Autos,” erzählt der Steyrer, der als junger Radrennfahrer Meistertitel sammelte. Dann entdeckte er die Leidenschaft für Untersätze mit vier Rädern. Vor allem für solche, die seit dem 8. März 1950 unter der Bezeichnung Typ 2 T1 als VW-Kastenwagen in Wolfsburg vom Förderband liefen.
Dieses Auto wurde zum zweiten „Volkswagen” nach dem Käfer, zum Lasttier des Wirtschaftswunders und zum Bulli-Kultmobil. Christian Haslingers Begeisterung geht auf die Tage zurück, „als ich in den 80er-Jahren auf dem Weg zur Linzer Uni immer an einem Schrottautoplatz vorbeikam, wo reihenweise VW-Busse abgestellt waren.”
1987 kaufte der 21-jährige Student seinen ersten VW-Kastenwagen, Baujahr 1953, mit den zwei typischen Frontscheiben und 24,5 luftgekühlten PS hinter einer großen Heckklappe, in Fachkreisen „Scheunentor” genannt. Haslinger brachte den Wagen toll in Schuss und fährt noch heute damit.
Vom Bulli ist der Steyrer nicht mehr losgekommen. Etwa 300 hat er im Lauf der Jahre mit Freunden ausgeschlachtet, Dutzende perfekt wiederbelebt. Für den Preis seiner fast gesamten Freizeit, die er in die Reparatur der Oldtimer investierte.
„Früher hat man einen schrottreifen VW-Bus gratis oder für eine Kiste Bier bekommen. Heute zahlt man dafür einige tausend Euro. Ich hab’ zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Riecher gehabt,” lacht Haslinger spitzbübisch, dem mittlerweile 29 Bullis gehören. 80 % davon sind fahrtauglich und im Tipptopp-Zustand.
Christian Haslinger ist weltweit der einzige, der zwei VW-Busse aus dem Jahr 1950 besitzt. Einen davon hat sich „der Spinner”, wie er sich gern nennt, „zu einem Preis, für den ich zwei Porsches bekommen hätte,” selbst zum 40. Geburtstag geschenkt. Gekauft hat Haslinger diesen zweifärbigen Edel-Bulli in Barcelona.

