30. Juli 2010

AKTUELLES

Welser wartet seit 15 Monaten auf Förderung

Umweltpionier läuft gegen Behördenwand


Sebastian Menges (li.) mit seiner „Sonnenmaschine”. Mittlerweile gibt es fünf solche Anlagen in Oberösterreich, 38 stehen in Wien und Niederösterreich. Menges: „Viele Interessenten kommen besichtigen.”

Die Oberösterreicher haben ein offenes Ohr für alternative Energie, und sie sind auch bereit, dafür Geld in die Hand zu nehmen. „Der Umstieg von Öl auf Pellets boomt in Oberösterreich wie sonst nirgendwo. Seit 2003 wurden insgesamt 80.000 Förderungen für die Energiewende ausbezahlt,” zieht Umweltlandesrat Rudi Anschober eine stolze Bilanz. Sebastian Menges aus Wels kostet das ein müdes Lächeln. Der 67-jährige Pensionist läuft mit seinen Förderungsansuchen seit 15 Monaten gegen eine Behördenwand.

Menges hat insgesamt 140.000 Euro in die energietechnische Sanierung seines Hauses in Wels-Pernau gesteckt. Unter anderem ließ der pensionierte Strickmeister in seinem Keller für 34.900 Euro die erste „Sunmachine” Oberösterreichs installieren. Sie nahm er am 15. Oktober 2008 in Betrieb und funktioniert so: „Das Wunderwerkl”, wie Menges sagt, wird mit Pellets befeuert, die entstehende Wärme treibt einen Stirling-Motor an, der Strom erzeugt. Das Kleinkraftwerk heizt das Haus und sorgt für Warmwasser, der überschüssige Strom wird in das Netz des Welser E-Werks eingespeist.

An Förderung für Umstellung auf Alternativenergie hat der Umweltpionier noch keinen Cent bekommen. Auch die Anerkennung seines Stroms als Ökostrom wurde ihm versagt. Das kostet ihn zehn Cent pro Kilowattstunde und etwa 400 Euro im Jahr.

Im Anschober-Ressort verschanzt man sich hinter einer komplizierten Gesetzeslage (OÖ. Luftreinhalte- und Energietechnikgesetz einerseits und OÖ. Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetz) und fordert von Menges immer neue technische Gutachten, „ehe er selbstverständlich die Förderinstrumente des Landes in Anspruch nehmen kann.” In Niederösterreich ist die Bürokratie flexibler. Dort wird eine „Sunmachine” mit 3.000 Euro gefördert und ihr Strom gilt als Ökostrom.