05. Februar 2012

KOMMENTAR

von Chefredakteur Manfred Radmayr

Paradies für Millionäre


Manfred Radmayr

Steuerhinterziehen ist ein volkssport. Im Vorjahr wurden in Österreich 20,5 Milliarden Euro im Pfusch umgesetzt. Das ist nach der Berechnung des Linzer Volkswirtschaftsprofessors Friedrich Schneider um fünf Prozent mehr als 2008 und nicht sehr verwunderlich. Die Krise befeuert die Schwarzarbeit, weil einerseits mehr gespart werden muss und andererseits ein steuerfreies Zubrot willkommen ist. Außerdem leidet die breite Masse der Österreicher unter einem so großen Steuerdruck, dass die Suche nach Schlupflöchern verständlich wird.

Über Schwarzgeld im großen Stil verfügen normalerweise aber weder die durchschnittlichen Lohnempfänger noch die kleinen oder mittleren Unternehmen. Das bleibt den wirklich Reichen vorbehalten. Jenen zehn Prozent der Österreicher, die fast zwei Drittel des gesamten Finanzvermögens besitzen. Sie sind es, die 12,6 Milliarden Euro schwarz in der Schweiz bunkern (siehe Seite 3). Alleine dadurch entgehen dem österreichischen Staat bis zu sechs Milliarden Euro an Steuern. Rechnet man noch dazu, was an der Finanz vorbei nach Liechtenstein, auf die Kanalinseln, in die Karibik oder andere Steueroasen verschoben wird, könnte man mit dem hinterzogenen Kapital locker die knapp 7,6 Milliarden Euro Zinsen begleichen, die Österreich heuer für seine 186 Milliarden Schulden berappen muss.

Die in unserem Land seit Jahren sinkende Besteuerung großer Vermögen hat also zu keiner höheren Steuermoral geführt, sondern das systematische Bestehlen der Allgemeinheit geht munter weiter. Österreich ist unbestritten ein Paradies für Millionäre und Milliardäre. Angesichts der Budgetnot wäre es die erste Pflicht einer Bundesregierung aus Sozialdemokraten und Christlichsozialen, sich im Kampf gegen das Bankgeheimnis und dunkle internationale Finanzgeschäfte sowie für eine Finanztransaktionsteuer in die vorderste Reihe zu stellen und nicht über höhere Massensteuern nachzudenken. Das wäre sozial und im christlichen Sinne gerecht.