30. Juli 2010

REPORTAGE

Lecker: Eine Wunderbeere macht alles Saure süß!


Die Wunderbeere kann auch in Tablettenform als „Miracle Frootiesvia Internet problemlos bestellt werden (ab 6,90.- pro Kleinpackung)

Die Wunderbeere (Bild) ist oval, rot, so groß wie eine Olive und die Frucht eines immergrünen Gehölzes, das bis zu 4,5 Meter hoch wird und in den Tropen Westafrikas wächst. Ihren Namen verdankt sie ihrer Wirkung auf das Geschmacksempfinden. Nach dem Genuss der Beere, die kaum Eigengeschmack hat, schmecken saure oder scharfe Nahrungsmittel süß.

Wie sich dieses kulinarische Wunder vollzieht, ist noch nicht endgültig erforscht. Schuld an der Geschmacksverwirrung sei allerdings das Eiweiß Miraculin, so Zellforscher und Mediziner, das die Süßrezeptoren auf der Zunge aktiviert und die Sauerrezeptoren blockiert.

Entdeckt wurde diese Wirkung durch die Beobachtung von Feinspitzen in der Tierwelt. Es sei aufgefallen, dass Vögel immer die rote Mirakelbeere fressen, ehe sie sich über unreife Früchte hermachen, so Klaus Dürrschmid von der Lebensmittelqualitätssicherung an der Wiener Uni für Bodenkultur.

Die Wirkung der Mirakelfrucht dauert zwischen 15 Minuten und zwei Stunden. Sie kann allerdings jederzeit rückgängig gemacht werden. Heiße Getränke oder heiße Speisen machen dem Zauber ein Ende. In der EU ist die nicht sehr haltbare und aus heutiger Sicht gesundheitlich unbedenkliche Beere noch nicht zugelassen.

Die Miraculin-Pillen enthalten keine Kalorien und verhelfen auch Diabetikern zu süßem Vergnügen. In Japan fahren vor allem Diätwillige auf die Wunderbeere ab. Sie futtern in speziellen Restaurants und Cafés kalorienarme, saure Desserts, die dank der Mirakel-Tabletten wie süße Kalorienbomben schmecken. In den USA sind Aroma-Partys mit der Wunderbeere ein Renner. Voraussetzung für die Teilnahme: ein guter Magen.