AKTUELLES
Gewaltexzesse unter Oberösterreichs Jugend werden immer mehr
Vergewaltigung von Schülern mitgefilmt!
Die Gewalt in den Medien ist ihnen nicht mehr genug. Immer häufiger drehen auch Jugendliche in Oberösterreich ihre eigenen Brutalvideos, für die sie sich mit Vorliebe Mitschüler greifen. Wie bei einer Vergewaltigung im Mühlviertel, die via Handy gefilmt und dann Mitschülern vorgeführt wurde.

Das Handy ist bei den Gewalttaten fast immer als Zeuge dabei.
Bei diesen Zahlen stellt es einem die Haare auf: Seit 2004 kam es in Oberösterreich unter den 6- bis 18-jährigen zu 5.694 Anzeigen wegen Körperverletzung, davon bereits 56 im noch jungen Jahr 2010. Wobei der Trend eindeutig ist: 2004 waren es 623 Delikte, 2009 bereits 1.182.
Wegen schwerer Körperverletzung (gilt ab Knochenbruch) mussten sich im gleichen Zeitraum 471 Jugendliche verantworten (2010 bisher 2), wegen Erpressung (!) gab es 64 Anzeigen gegen 6- bis 18-Jährige und wegen geschlechtlicher Nötigung 54. Hier fällt ebenfalls ein Delikt bereits ins neue Jahr, das übrigens in der Altersgruppe 6 bis 14 vorgefallen ist. Über dieser Statistik liegt noch eine große Dunkelziffer von Fällen, die nie polizeibekannt wurden.
„Hallo” hat die gravierendsten Vorfälle mit Jugendlichen in den vergangenen drei Jahren recherchiert. Hier ein Auszug aus der Liste des Schreckens:
- Im Mühlviertel wurde eine Schülerin von Alterskollegen vergewaltigt und dabei mit dem Handy gefilmt. Zur körperlichen Gewalt kam noch die psychische durch das Bloßstellen des Opfers, indem die Filmaufnahmen im Freundeskreis weiterverbreitet wurden.
- Eine 13-jährige Schülerin einer Hauptschule in Vöcklabruck wurde auf dem Heimweg von drei Mitschülern, zwei Buben und ein Mädchen, mit Faustschlägen ins Gesicht traktiert. Auch diese Tat filmte man mit dem Handy. Das Video wurde an Mitschüler verkauft und dann ins Internet gestellt. Die Mutter des Opfers erstattete Anzeige.
- Bei den Ermittlungen wurden auf den Handys der jugendlichen Täter Gewaltvideos gefunden, wo beispielsweise einem Menschen vor laufender Kamera der Kopf abgeschnitten wird. Außerdem waren auf den Handys Porno-Clips und NS-Propaganda gespeichert.
- In einer Linzer Schule kam es zu einer sexuellen Nötigung einer Mitschülerin, wobei der Täter das Opfer mit dem Umbringen bedrohte. Auch hier lief die Handykamera mit.
- In Wels musste die Polizei einschreiten, weil zwei Schüler dauernd durch rechtsextremes Verhalten auffielen. Zum Hitlergruß zeigten sie beispielsweise nationalsozialistische Inhalte auf dem Handy. Zu ihrem Mobiltelefon-Repertoire gehörten auch mit Gewehrdauerfeuer unterlegte Muezzingesänge.
- Im Vorjahr hatte Oberösterreichs Exekutive gleich mehrere in Schulen angekündigte Amokläufe zu behandeln. Diese Drohungen kommen zumeist übers Internet. Leider gibt es noch immer Schuldirektoren, die mit Rücksicht auf den Ruf ihrer Schule derartige Ankündigungen gar nicht oder verspätet der Polizei melden.
Oberösterreichs Polizei hat längst die Konsequenzen an der sich ausbreitenden Gewaltwelle gezogen. Im Vorjahr wurden 65 Polizistinnen und Polizisten speziell in Jugendgewaltprävention geschult. Mehr zu der Vorbeugungsoffensive in den Schulen lesen Sie im Artikel links.
Viel Aufklärungsarbeit in Schulen zur Vorbeugung
Die Polizei setzt im Kampf gegen die steigende Jugendkriminalität auf Prävention und arbeitet dabei eng mit Schulen, Eltern und anderen Schutzeinrichtungen wie dem Institut für Suchtprävention zusammen. „Die Kooperationen mit unseren besonders geschulten Beamtinnen und Beamten funktioniert hervorragend,” sagt Mag. Hermann Feldbacher, Leiter der Sicherheits- und kriminalpolizeilichen Abteilung in der Sicherheitsdirektion.
Zwei Aufklärungsprojekte stehen im Mittelpunkt: „Clever and cool” ist ein Unterrichtsprojekt, das über ein ganzes Schuljahr läuft und die neuesten Erkenntnisse der Präventivforschung beinhaltet. „Click & Check” kümmert sich vor allem um Außenseiter (www.clickundcheck.at).

