KOMMENTAR
von Chefredakteur Manfred Radmayr
Verhöhnte Steuerzahler

Chefredakteur Manfred Radmayr
Österreich ist in Ohnmacht gefallen. Die Studentenproteste verebben. Die Besetzer des größten österreichischen Hörsaals - darunter fast 100 Obdachlose - wurden am kältesten Tag des Jahres von der Polizei an die frische Luft gesetzt. Es herrscht Ruhe im Land. Und es stellt sich die Frage: Wie viel Zorn und Wut können und wollen die Österreicher noch in sich hineinfressen? Da wurde mit der „Hypotanic” ganz ohne Eisberg auf Kosten von uns allen ein Bundesland versenkt und dem Wort Bankraub eine ganz neue Bedeutung verliehen - doch es regt sich nichts! Medialer Aufschrei ja, aber keine außerparlamentarische Inititative, kein einziger Demonstrant, nichts. Wo bleiben die Stimmen des Volkes?
Die haben sich beispielsweise erhoben, als 2008 größenwahnsinnige Banker mit wahnwitzigen Spekulationen Island in den Ruin geführt haben. Auch dort hatte die Kontrolle versagt und waren Politiker und Beamte in die Machenschaften verstrickt. Die Isländer sind daraufhin vors Parlament marschiert und haben die Regierung in die Wüste gejagt. Und in Österreich? Statt politischer Verantwortung gibt es politische Provokation. Ausgerechnet nachdem ihre Parteifreunde in Kärnten mit breitem Grinsen den Offenbarungseid geleistet hatten, verstieg sich BZÖ-Landesobfrau Ursula Haubner in einer Aussendung zur schlechten Bilanz des OÖ-Abfallentsorgers AVE zu der Meldung: „Es kann nicht sein, dass vielleicht der oberösterreichische Strom- und Gaskunde oder der Gebührenzahler beim Hausmüll die Zeche für die Glücksritterphantasien der AVE zahlt.”
So verhöhnt man Steuerzahler, die gerade die von Haubners Bruder eingeleitete und von seinem Glücksritter-Gefolge vollendete schwindelerregende Geldvernichtung in Kärnten und am Balkan mit Milliarden glatt bügeln. Nachdem schon zuvor der Heizkostenzuschuss des Bundes für die Mindestrentner auf null (!) gestellt wurde. Die Armen sollen ruhig frieren. Das Geld wird unten eingespart und oben verbrannt. Das wird ohnmächtig akzeptiert. Wie lange noch?

