09. September 2010

LESER-KOMMENTAR

Weihnachtszauber?


Weihnachts- geschichte von Ulrike Hinterkörner, Pädagogin aus Enns

Ein kleiner Engel reiste auf die Erde. Er war neugierig geworden, wie die Menschen die Zeit vor Weihnachten verbringen. Unten angekommen, wunderte er sich, wie eilig es die Leute hatten. Sie rannten von Geschäft zu Geschäft, sie trugen immer mehr Taschen und Tüten, und nach dem Ausdruck der Gesichter schien niemand zufrieden mit sich und der Welt zu sein.

Aber das schlimmste für den Engel war, dass niemand ihn bemerkte. Keiner interessierte sich für ihn. Niemand war neugierig , was ein kleiner Engel wohl auf der Erde machte. Er spürte nichts von Ruhe und Stille , und schon gar nichts von Nächstenliebe.

Da wurde er traurig, denn er wusste nun, dass im Himmel die Wahrheit über die Menschen gesprochen wurde. Dort hatte er gehört, dass sie den Glauben verloren hatten, dass sie vergessen haben, ihr Herz zu spüren und dass niemand mehr Zeit für den anderen hat. Der kleine Engel wollte es nie glauben, aber jetzt wusste er: Es stimmt!

Irgendjemand auf der Erde musste doch an Weihnachten glauben, an Jesus und an die Liebe.

Ganz in Gedanken versunken, hörte er plötzlich ihm vertraute Klänge. Wunderschöne, zarte Stimmen sangen ihm bekannte Lieder. Er wurde neugierig und flog zum Fenster. Da saßen viele Kinder und sangen mit solcher Begeisterung, dass viele rote Backen hatten. Er sah leuchtende Kinderaugen. Da wurde es dem Engel ganz warm in seinem Herzen, und er spürte, dass die „kleinen Menschen”, das Fest noch nicht vergessen hatten. Und so suchte er rasch einen Weg, um zu den Kindern zugelangen. Er sah ein offenes Fenster - und schwups, schon war er drin.

Ganz leise schlich er in den Raum, wo er die Kinder gesehen hatte. Still setzte er sich zu ihnen, und er glaubte unbemerkt zu bleiben, so wie es ihm vorher bei den Erwachsenen ergangen war. Aber die Kinder sahen den Engel sofort, sie fragten neugierig, warum er auf der Erde sei. Der Engel erzählte ihnen, was er im Himmel über die Menschen gehört hatte, von seiner ersten Begegnung mit ihnen, von dem Trubel, der Hast und von seiner Traurigkeit.

Damit der Engel wieder fröhlich wurde, erzählten ihm die Kinder vom guten Duft der Kekseluft, vom selbst gebastelten Adventkranz und den gemeinsamen Stunden, in denen man mit der Familie Lieder singt und Weihnachtsgeschichten hört. Sie sprachen vom Adventkalender, der die Stube schmückt und wo sie jeden Tag gespannt auf eine Überraschung warten. Sie träumten vom Christkind, das ihnen ein Geschenk bringt, das sie sich schon so lange wünschen, und vom wunderschön geschmückten Christbaum.

Da wusste der Engel, dass es für die Menschen auf der Erde noch nicht zu spät sei.

KINDER LEHREN UNS, DIE WELT MIT ANDEREN AUGEN ZU SEHEN!