07. Februar 2012

AKTUELLES

Besonderes Problem: Keiler in Altenheimen

Senioren oft Opfer von Spendenjägern

Spendenaktionen sind sinnvoll und notwendig. Teilweise wird das weit verzweigte Spendennetz jedoch unüberschaubar. Gesammelt wird überall: auf der Straße, an der Haustür, in der Kirche, von Zeitungen, im Fernsehen und Radio, per Postwurf, über Telefon und im Internet.

Vor Weihnachten wird die Jagd nach freiwilligen Spenden besonders forciert. Dabei stellt „das Ansprechen alter Menschen, insbesondere in Senioren- und Pflegeheimen, ein Sonderproblem dar,” heißt es im vom Österreichischen Institut für Spendenwesen (ÖSI) publizierten Spendenbericht 2008. Die Keiler arbeiten meist nur auf Provisionsbasis, weshalb sie „um jeden Preis verkaufen,” weiß Florian Bittner, im ÖSI für Dokumentation und Information zuständig. Angehörige finden bei Heiminsassen häufig unterschriebene Spenden- oder Mitgliedserklärungen. Bittner: „Die Abbuchungen machen oft bis zu 300 Euro aus und erfolgen sehr rasch.”

Dieses Geld ist nicht zwangsweise verloren. „Wer mit einem Vertrag überrumpelt wird, hat ein einwöchiges Rücktrittsrecht,” erklärt Mag. Ulrike Weiß vom Konsumentenschutz der OÖ-Arbeiterkammer. „Am besten ist, man kündigt den Vertrag per eingeschriebenem Brief.”

Eine Einziehungsermächtigung kann innerhalb von 56 Tagen rückgängig gemacht werden. „Dazu braucht man nur auf seine Hausbank zu gehen. Die erledigt das. Es ist ratsam, einmal monatlich seine Kontoauszüge zu überprüfen, dann ist man auf der sicheren Seite,” so Ulrike Weiß.

Prinzipiell sind die Österreicher beim Spenden nicht knausrig und im Notfall solidarisch. Die Spendenbereitschaft ist aber im Sinken. Gaben 2006 noch 81 % aller Landsleute einen freiwilligen Obolus, so waren es 2008 nur noch 66 %. Insgesamt schätzt das ÖSI das jährliche Spendenvolumen auf 430 Millionen Euro.

Darunter sind etwa 60 Millionen Euro, die von Religionsgemeinschaften gesammelt werden. In der Diözese Linz beträgt die durchschnittliche Spende pro Gottesdienstbesucher 1,12 Euro, ist in einer Diplomarbeit der Wirtschafts-Uni Wien zu lesen. Im Schnitt macht der Oberösterreicher pro Spende 28,14 Euro locker, wie das Linzer market-Institut Ende 2007 erhob. 21 % aller Landsleute spenden zweimal im Jahr, 19 % einmal, 6 % öfter als sechsmal. Am lockersten sitzt das Geld, wenn Kindern oder Behinderten geholfen werden soll. Dann kommen die Tiere.

Von 1.127 spenden sammelnden Organisationen in Österreich haben übrigens erst 200 ein Spendengütesiegel, in Oberösterreich sind es 22.