REPORTAGE
Wildkatzen sollen wieder jagen dürfen!

Scheu sind sie und schlaue Räuber. Doch das hat sie nicht gerettet. Seit etwa 1950 gilt die Wildkatze in Österreich als ausgestorben. Ausgerottet durch Menschenhand. Jetzt wäre das mit der Hauskatze nicht verwandte Tier in heimischen Wäldern wieder willkommen. Denn wo Wildkatzen leben, besteht eine große Artenvielfalt, sind Wald und Ökologie intakt.
Wildkatzen hatten schon vor Jahrhunderten ein schlechtes Image. Sie wurden mit schwarzer Mystik und Hexen in Verbindung gebracht. Später sagte man ihnen räuberische Fähigkeiten nach, die sie gar nicht besitzen. So hat man ihnen gar unterstellt, Rehe zu reißen. In Wahrheit jagen Wildkatzen nur Tiere, die kleiner sind als sie. Vorwiegend stehen Mäuse am Speiseplan. Auch junge Vögel, Kaninchen, Eidechsen oder Frösche passen in ihr Beuteschema. In Notzeiten gibt sich die Katze auch einmal mit Aas zufrieden.
Jedenfalls galt die wilde Katze lange Zeit für Landwirte und Jäger als Geißel im Revier. Entsprechend intensiv wurde sie gejagt - bis sie schließlich Mitte des vorigen Jahrhunderts bundesweit nicht mehr gesehen ward. In den vergangenen 50 Jahren gab es nur 23 dokumentierte Wildkatzennachweise in 20 Ortschaften. Laut Experten waren das „Irrläufer”, die vorübergehend aus Bayern, Ungarn, Slowenien, der Slowakei oder Italien eingewandert sind, wo es im Unterschied zu Österreich reproduzierende Populationen gibt.
In Oberösterreich wurden Einzelexemplare in Natternbach (1968 und 1983), bei Schlägl (1970), in Schenkenfelden (1985), Waldhausen (1990, 1993) und nahe Vöcklabruck (2008) gesichtet. Im Nationalpark Thayatal hat man seit 2007 zwei dieser scheuen Tiere nachgewiesen. Dort läuft seither ein Forschungsprojekt Wildkatze.
Den Spuren dieses Beispiels will man nun auch in Oberösterreich folgen. In den nächsten Tagen erhalten alle 18.000 Jäger unseres Landes mit der Zeitschrift „Der OÖ. Jäger” einen Fragebogen zum Thema Wildkatze. „Damit wollen wir Wissen über diese Tiere verbreiten, Bewusstsein schaffen und erheben, ob, wann und wo jemand eine Wildkatze gesehen hat,” erklärt Mag. Christopher Böck, Wildbiologe und stellvertretender Geschäftsführer des Landesjagdverbandes. Der 37-jährige Fachmann sitzt auch als Vertreter der Zentralstelle aller Landesjagdverbände in einer Arbeitsgruppe Wildkatzen, die vom Lebensministerium im Rahmen des Projekts „Vielfalt Leben” eingerichtet wurde. In diesem Zusammenhang trafen sich vor einem Jahr in Wels 35 Wildkatzenexperten, um über die Situation dieser Tiere in Österreich zu beraten. Teil des Rettungsplans könnte sein, dass man woanders gefangene Tiere bei uns aussetzt. In Deutschland funktioniert dieses Konzept bereits.
Typisches Merkmal der Wildkatze, die eigentlich Waldkatze (Felis silvestris) heißt, ist ihr dicker, stumpfer Schwanz mit schwarzen Fellringen. Sie stammt nicht wie die Hauskatze von der ägyptischen Falbkatze ab, verpaart sich aber mit ihr.

