LESER-KOMMENTAR
Leser-Kommentar von Ulrike Hinterkörner, Pädagogin aus Enns
Zu Wort und Wirklichkeit von „Kindergarten"

Ulrike Hinterkörner, Pädagogin aus Enns.
Im Wort „Kindergarten" findet man zwei wunderschöne Begriffe: Zu Kinder fällt mir Individualität, Fröhlichkeit, Freude, ehrliche, kleine Geschöpfe, Geborgenheit, Wärme, Zuneigung, Liebe, Vertrauen und Spontaneität ein. Garten assoziiere ich mit Ruhe, Harmonie, Farbimpressionen, Entspannung und Sinneserfahrung - ein Stück Land, wo sich Menschen, Pflanzen und Tiere entfalten können. Deshalb hat auch einst der deutsche Pädagoge Friedrich Fröbel (1782 - 1852) den Begriff Kindergarten ausgewählt, weil er der Ansicht war, ein Kind solle wie eine Pflanze gepflegt heranwachsen können. Mit Liebe, Wärme und Platz zur Entfaltung individueller Bedürfnisse.
Aber wie sieht es gegenwärtig in den sogenannten „Gärten für Kinder” aus!
Mindestens 23 bis 24 Kinder unterschiedlicher Nationen, Sprachkenntnisse und Entwicklungsschritte in einer Gruppe; Betreuung durch eine Kindergartenpädagogin und im besten Fall einer Helferin. Das heißt: Auf eine Betreuungsperson entfallen 12 Kinder mit den unterschiedlichsten Bedürfnissen. Es gibt keine Ausweichräume für Kleingruppenarbeit, oder um sich zurückzuziehen. Daraus entstehen Gruppenzwang und ein intensiver Lärmpegel - für manche Kinder 8 bis 10 Stunden pro Tag. Außerdem gibt es keine Räume für Kinder mit Beeinträchtigungen, sprich Integrationskinder, die speziellen Förderanspruch haben und brauchen.
Was heißt das für die Arbeit der PädagogInnen?
Keine Zeit, um sich länger mit einem Kind auseinandersetzen und sich seiner Bedürfnisse anzunehmen. Es dort abzuholen, wo es sich in seiner Entwicklung befindet. Bildungsarbeit ist nicht oder nur erschwert möglich. Dafür gibt es immer mehr zusätzliche Schreibarbeit ohne zusätzliche Vorbereitungszeit, denn in diesem Punkt hat sich in den letzten 20 Jahren nichts verändert. Nur von den PädagogInnen verlangt man, dass sie sich ständig fortbilden, um mit der Zeit zu gehen.
Der Name Kindergarten lädt zum Träumen ein. Hoffentlich werden in Zukunft einige dieser Träume unseren Kindern zuliebe wahr. Gratiskindergarten, Gratisessen… - alles schön und gut, wenn auch die Umsetzung gut durchdacht worden wäre, denn für unsere Kinder bleibt jetzt vieles auf der Strecke, was sie auf dem Weg zum Erwachsenwerden brauchen.
„Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben: Die Sterne der Nacht, die Blumen des Tages und die Augen der Kinder“.

