REPORTAGE
Vor 260 Jahren begannen die Ordensfrauen mit 6 Krankenbetten, heute haben sie fünf Spitalsgebäude
Linzer Lisln mussten betteln, um helfen zu dürfen

Heuer nahm das Spital im fünften Zubau den Betrieb auf, der durch einen gläsernen Straßenübergang mit dem Haupthaus verbunden ist. Der Neubau gilt als Ambulanztrakt und beheimatet vier Krankenabteilungen.
Heute denkt niemand mehr ernsthaft an die Gründung eines neuen öffentlichen Krankenhauses. Unfinanzierbar! Zwar wachsen Wellnesstempeln und Thermenressorts wie Schwammerl aus dem Boden, doch für ein völlig neues Spital fehlt das Geld.
Krankenanstalten werden rasch zu finanziellen Fässern ohne Boden. Vor allem, wenn die Kontrolle versagt, wie beim Wiener AKH-Neubau, der die Republik erschütterte. Er wurde 1955 beschlossen, Anfang der 70-er Jahre begonnen und wuchs sich bis zur vollständigen Inbetriebnahme 1994 durch Kostenexplosion und Schmiergeldaffäre zum größten Bauskandal Österreichs aus.
So dramatisch war es 1745 nicht, als vier Ordensfrauen per Schiff von Wien in Linz ankamen, um ein Elisabethinen-Kloster zu gründen. Damals regierte Maria Theresia die Monarchie, und das Innviertel war noch bei Bayern.
Die Idee zur Klostergründung kam von Ernestine von Sternegg, die sich 1742 nach dem Tod ihres Vaters und Wiener Hofapothekers in das Wiener Elisabethinenkloster zurückzog. Als Standort kamen Linz, Brünn und Olmütz in Frage. Die Entscheidung fiel durch das Los. „Die edle Frau schrieb die Namen der drei Städte auf gesonderte Papierstreifen, mischte sie untereinander, und da zu drei wiederholten Malen sie den Streifen, mit Linz bezeichnet, zog, erkannte sie hier den Wink der Vorsehung…”, berichtet die Chronik.
Von dieser Vorsehung wollten die Linzer Stadtväter und der Stadtpfarrer allerdings nichts wissen. In Linz gab es nämlich schon sieben Klöster, die Steuerfreiheit genossen und bei betuchten Familien als Begräbnisstätten hohes Ansehen genossen. Politiker und Pfarrer befürchteten also durch die Elisabethinen weitere finanzielle Einbußen an Steuern und Begräbnisgebühren. Schließlich hatte man doch ein Einsehen. Die Stifterin bekam die Erlaubnis, ein Elisabethinenkloster samt Kirche zu errichten, um die Ärmsten der Armen zu pflegen, oder wie es in der landesfürstlichen Verordnung hieß, „zum Zwecke, den erkrankten Dienstboten und anderen, besonders von ansteckenden Krankheiten Betroffenen, eine Zufluchtsstätte zu bereiten.” Tatsächlich war während des Klosterbaus die erste Patientin eine 16-jährige Magd mit Gallenfieber.
1749 wurde das Ordenshaus feierlich eröffnet. Es umfasste 24 Klosterzellen und einen Krankensaal mit sechs Betten. In den folgenden 260 Jahren hatten die lange Zeit in strenger Klausur lebenden Schwestern viele Proben zu bestehen, an der Pflege mittelloser Kranker wurde aber immer festgehalten. Auch als der Konvent selbst bettelarm war und um Sammelerlaubnis ansuchen musste.
1907 kurierte man die 100.000ste Patientin. 1926 erhielt das Klosterspital das Öffentlichkeitsrecht zuerkannt, was für finanzielle Entspannung sorgte. Nach dem 2. Weltkrieg wurde dem Krankenhaus Bau um Bau hinzugefügt. Der erste Anbau 1957 galt mit seinen neun Geschossen als das erste Hochhaus von Linz. Heuer wurde der fünfte Trakt eröffnet. Derzeit verfügen die „Lisln” über 500 Betten und betreuen jährlich 32.000 Patienten stationär und mehr als 75.000 ambulant.

Die Elisabethinen sind ein katholischer Frauenorden, den es seit 1622 gibt, und zu dem heute 15 Klöster in sieben europäischen Ländern gehören, vier stehen in Österreich. Offiziell heißen die Nonnen „Schwestern der Heiligen Elisabeth vom III. Regulierten Orden des Heiligen Franziskus”. Die „Lisln” stehen in der Tradition der Heiligen Elisabeth (Bild), auch Elisabeth von Ungarn genannt.
Landgräfin Elisabeth von Thüringen (1207 - 1231) war die Tochter des ungarischen Königs Andreas II. und der Gertrude von Andechs. Schon als Neugeborene wurde Elisabeth mit einem Sohn des Landgrafen Hermann von Thüringen verlobt und bereits als Vierjährige an den thüringischen Hof gebracht, um in der Familie ihres zukünftigen Ehemannes aufzuwachsen.
Als Landesfürstin entsprach ihr Lebensstil überhaupt nicht dem ihres Standes. Elisabeth glaubte an die Ideale des Franz von Assisi, der ein Leben in Armut, Gehorsam und Keuschheit forderte. Sie stand dem höfischen Prunk kritisch gegenüber und verschenkte ihre kostbare Kleidung und Schmuck. Hungernden öffnete sie die landgräflichen Kornkammern. Schon bald kümmerte sie sich um Kranke und Bedürftige und verrichtete Tätigkeiten, die als ihrer unwürdig angesehen wurden. So wusch und bekleidete sie Verstorbene und sorgte für ihre Beerdigung. Überliefert ist auch ihre besondere Zuwendung zu aussätzigen und behinderten Kindern.
Nach dem Tod ihres Ehemanns kehrte Elisabeth dem Hof den Rücken und arbeitete als einfache Magd und Schwester in dem von ihr am Fuße der Wartburg gegründeten Marburger Hospital. Dabei widmete sie sich besonders der Pflege von Leprakranken. Elisabeth starb im Alter von 24 Jahren. Vier Jahre nach ihrem Tod wurde sie von Papst Gregor IX. heilig gesprochen.

