KOMMENTAR
Kommentar von Chefredakteur Manfred Radmayr
Schlüssel sperrt nicht

Manfred Radmayr
gott sei dank ist am sonntag alles vorbei. Ein an Oberflächlichkeit nicht zu überbietender Wahlkampf geht zu Ende. Wie in den vergangenen Wochen vereinfacht, zugedeckt und schöngeredet wurde, geht, wie wir in Oberösterreich sagen, auf keine Kuhhaut mehr hinauf. Während die Arbeitslosigkeit steigt und die Armut im Lande wächst, wurden wir mit nichtssagenden Parolen erschlagen. Statt auf Inhalte wurde nur auf Spitzenkandidaten gesetzt. Ein Signal dafür, dass man keine wirklich zukunftstauglichen Programme hat und sich seiner sehr beschränkten Kompetenzen bewusst ist.
Wenn der politischen Elite die Krisenbewältigung ein paar Worte wert ist, ertönt die gleiche Leier, mit der unser Finanz- und Wirtschaftssystem im Vorjahr an die Wand gefahren wurde: „Wachstum” heißt die Zauberformel. Doch dieser Schlüssel sperrt nicht oder nur begrenzt. Wer etwas - wie es jetzt überall so schön heißt - nachhaltig verändern will, muss sich vom Wachstumswahn lösen. Wie soll der vielgepriesene Konsum angekurbelt werden, wenn die breite Masse mit Netto-Einkommensverlusten zu kämpfen hat? Auf Pump? Das wurde probiert, und deshalb stehen wir jetzt dort, wo wird sind.
Auch wenn es die Wahlplakate verschweigen: Die Krise hat unser Land verändert. Jene Arbeitsplätze, die jetzt verloren gehen, wird es in gleicher Zahl und Form nicht mehr geben. Wie die anderen ausschauen könnten, wäre eine spannende Diskussion. Sie wurde uns bisher verweigert.

