07. Februar 2012

AKTUELLES

Armut in Öberösterreich:

109.000 Leute können Rezepte nicht bezahlen

Immer mehr Oberösterreicher können mit ihren Einnahmen ihre Ausgaben nicht mehr decken. Sie geraten in die Schuldenfalle. Die Zahl der Privatkonkurse steigt, knapp 120.000 Landsleute sind schon armutsgefährdet. Ein Beweis dafür: 109.000 Oberösterreicher können sich die Rezeptgebühr nicht mehr leisten.

Wer in Österreich im Monat weniger als 912 Euro zur Verfügung hat, gilt als armutsgefährdet. In Österreich sind das eine Million Menschen, in Oberösterreich fast 120.000. 912 Euro sind 60 Prozent des Median-Pro-Kopf-Haushaltseinkommens. Wenn man mit diesem Betrag oder noch weniger auskommen muss, wird es eng, es beginnnt die soziale Ausgrenzung: Die Betroffenen können abgetragene Kleidung nicht mehr ersetzen, die Wohnung nicht mehr angemessen warm halten, keine unerwarteten Ausgaben tätigen - und sie weisen meist einen schlechteren Gesundheitszustand auf. Armut macht krank!

Viele Oberösterreicher müssen aber mit noch viel weniger Geld auskommen. Etwa jene 69.060 Menschen, die 2008 von der Rezeptgebühr befreit worden sind. Die Voraussetzung dafür: Alleinstehende dürfen monatlich nicht mehr als 772,40.- Euro zur Verfügung haben, Ehepaare nicht mehr als 1.158,08.- Euro. Zu diesen 69.060 Personen kommen weitere 40.159 Oberösterreicher, deren Rezeptgebühren im Vorjahr mehr als zwei Prozent ihres Jahresnettoeinkommens ausmachten. Ihnen wurde die weitere Rezeptgebühr erlassen, sobald sie 181,30.- Euro für Medikamente aus eigener Tasche bezahlt hatten.

5.254 Oberösterreicher bezogen im Vorjahr Sozialhilfe, mussten also mit 569,50.- Euro auskommen. „Das ist das unterste Limit in Oberösterreich. Weniger darf niemand haben,” erklärt Peter Binder, Pressesprecher von Soziallandesrat Josef Ackerl.

Mit diesem Betrag müssen auch viele der 9.000 Klienten der oberösterreichischen Schuldnerberater auskommen. Ihre Zahl nimmt ständig zu, genauso wie die der Privatkonkurse. „Viele Menschen brauchen jetzt ihre Reserven auf. Ich erwarte für 2010 um 10 bis 15 Prozent mehr Betreuungsfälle,” sagt Mag. Ferdinand Herndler. Ähnlich dramatisch schätzt auch Mag. Thomas Berghuber von der Schuldnerberatung die Situation ein. Er rät, „jetzt alte Kreditverträge zu überprüfen und, wenn möglich, auf niedrigere Fixzinsen umzuschulden.” Schuldner-Hilfe und Schuldnerberatung helfen und beraten kostenlos.