REPORTAGE
Im Riesenrad den Dingen entschweben
Die Welt von oben betrachten und förmlich über den Dingen schweben - das ist ein alter Menschheitstraum, den Riesenräder für ein paar Minuten wirklich werden lassen. Deshalb haben auch schon 150.000 Besucher den „Höhenrausch” über den Dächern von Linz (großes Bild) genossen. Dabei ist das Linzer Riesenrad (50 m) ein Zwerg unter den großen Aussichtsrädern der Welt.

An schönen Tagen nutzen bis zu 2.000 Menschen vom Offenen Kulturhaus (OK) aus die Gelegenheit zum Spaziergang über den Dächern von Linz, dessen Höhepunkt im wahrsten Sinne des Wortes auf dem City-Parkhaus die Fahrt mit dem Riesenrad darstellt. Insgesamt erreicht der Besucher dabei „nur” eine Höhe von knapp 50 Metern (Parkhaus plus Riesenrad). Im internationalen Vergleich ist das jedoch gar nichts: Die größten Riesenräder der Welt sind mehr als dreimal so hoch (siehe unten).
Aussichtsräder sind bereits beliebter als klassische Touristenattraktionen. So verzeichnet, laut Deutscher Presseagentur, das „London Eye” beispielsweise pro Jahr mehr Besucher als die St. Pauls Cathedral in London, das Taj Mahal in Indien und die Pyramiden von Gizeh in Ägypten.
Da überrascht es nicht, dass die Rundfahrten zwischen Himmel und Erde am Linzer Parkhaus zur mit Abstand publikumswirksamsten Aktion im Kulturhauptstadtjahr wurden. Diese Attraktion wird ab Freitag, 4. September, noch um eine Spur interessanter. Da können nämlich „Höhenrausch”-Besucher (normaler Eintrittspreis 10 Euro) auch die interaktive Kunstausstellung „Cyber Art” im OK mitgenießen. „Höhenrausch” endet am 31. Oktober.
Berlins Great Wheel

Nahe dem Zoologischen Garten in Berlin baut man derzeit am Great Wheel. Es wird 175 m hoch und 28 klimatisierte Fahrgastkapseln für je 40 Personen bekommen. Tageskapazität: 31.000 Fahrgäste. Die „Flug”-Zeit wird 30 Minuten dauern und ausreichend Gelegenheit für einen spektakulären Panoramablick gewähren. Das Rennen um das höchste Riesenrad der Welt wird Berlin allerdings gegen Peking verlieren, wo 2010 im Chaoyang Park „The Great Observation Wheel” eröffnet werden soll. Seine Höhe: 208 Meter.
Melbourne Star

Seit Dezember des Vorjahres dreht sich in der Waterfront City von Melbourne in Australien das „Southern Star Observation Whell”. Es befördert seine Passagiere in luftige 120 m Höhe und ist damit die höchste derartige Konstruktion auf der Südhalbkugel. Die 21 verglasten Gondeln ermöglichen jeweils 20 Fahrgästen einen imposanten 360-Grad-Blick. Das Rad dreht sich täglich von 10 bis 22 Uhr und ermöglicht einen imposanten Blick auf die Stadt, die Docklands und die Port Philip Bay. Nachts wird der „Southern Star” durch ein ausgeklügeltes Beleuchtungssystem weithin sichtbar selbst ins rechte Licht gerückt. Der „Star” wird so zum Star unter Melbournes Tourismuseinrichtungen.
Singapur Flyer

Der „Singapore Flyer” ist mit seinen 165 m Höhe und einem Durchmesser von 150 m aktuell das höchste Aussichtsrad der Welt. Seinen Betrieb aufgenommen hat das schöne Ungetüm am 1. März 2008. Vom „Flyer” aus sieht man nicht nur die Stadt Singapur, sondern auch die benachbarte Insel Sumatra und sogar die Südspitze Malaysias. Besonders spektakulär ist die Aussicht bei Nacht.
London Eye

Im Schnitt 3,5 Millionen Menschen fahren jährlich mit dem „London Eye”, das direkt an der Themse 135 m in den Himmel ragt. Es ist derzeit das größte Riesenrad Europas. Die 32 Glaskabinen, von denen jede zehn Tonnen wiegt, benötigen für eine Runde knapp 30 Minuten. Pro Sekunde legen sie 26 cm zurück, das entspricht 9,4 km/h. Die gesamte Konstruktion bringt 2.100 Tonnen auf die Waage, das ist so viel wie etwa 1.300 Londoner Taxis. An klaren Tagen sieht man vom „Eye” aus sogar das 40 km entfernte Windsor Castle. Seine ersten Runden drehte das „Londoner Auge” im März 2000. Eigentlich sollte das Riesenrad nach den Milleniumsfeierlichkeiten wieder abgebaut werden, doch mittlerweile prägt es die Silhouette der Stadt und stellt sogar den alten Big Ben in den Schatten. Um die jährlichen 3,5 Millionen „Eye”-Fahrgäste abheben zu lassen, bräuchte man übrigens 6.680 Jumbo-Jets.
Wiener Prater

Mit seiner bescheidenen Höhe von 64,75 m kann das Wiener Riesenrad im Prater mit den größten dieser Art bei weitem nicht mithalten. Was seine Bekanntheit und Beliebtheit angeht, steht es aber in der ersten Reihe dieser Touristenattraktionen. Das gilt auch für sein Alter. Es wurde 1897 anlässlich des 50. Thronjubiläums Kaiser Franz Josefs I. errichtet. 1944 brannte das Wiener Riesenrad ab und wurde ein Jahr später wieder aufgebaut. Unter den 15 Gondeln gibt es auch Luxuswaggons, wie den „Kaiserwaggon”, den „Cocktailwaggon” oder „Dinner for two-Waggon” (kleines Bild), die für besondere Anlässe gebucht werden können. Auch das Heiraten im Riesenrad ist möglich. Die Waggonmiete kostet ab 100 Euro pro halbe Stunde. Der normale Fahrpreis beträgt für einen Erwachsenen 8.50 Euro. Von allen hier vorgestellten Riesenrädern kommt eine Fahrt mit dem „London Eye” am teuersten. Dafür muss ein Erwachsener 17,50 Euro hinlegen. Für 530 Euro gibt’s eine ganze Kabine samt Champagner.

