07. Februar 2012

REPORTAGE

Bis zu 10.000 Besucher strömen jeden Sonntag auf Oberösterreichs größten Flohmarkt

Feilschen unter Palmen


Veranstalter Rudolf Brandstetter mit Karl aus Linz. Der 76-jährige ist Stammgast und verkauft selbst reparierte Elektrogeräte.

Eine bildhübsche Frau geht vor prall gefüllten, am Boden stehenden Plastikkörben in die Knie und sammelt mit Akribie bunte Knöpfe in ein Holztellerchen. Zehn Stück haben es ihr angetan. Was kosten Sie? „Sieben Euro.” „Das ist zuviel,” sagt die Dame lächelnd, aber bestimmt. „Hier haben Sie fünf Euro, dafür komme ich wieder einmal vorbei.” Ein paar Meter weiter will ein älterer Herr wissen, was ein schmuckes Schaukelpferd kostet. „25 Euro, denn das ist ein altes Stück.” „Nein, danke! Alt bin ich selbst. Ich brauch’ was Neues.”

Wenn sonntags über den Kunststoffpalmen am Parkplatz vor dem Cineplexx-Kino in der Linzer Industriezeile die Sonne aufgeht, ist Handeln, Feilschen und Schmähführen angesagt. Wir befinden uns auf dem größten Flohmarkt Oberösterreichs. Tausende Besucher schlendern bis 13 Uhr durch die Ausstellerreihen, suchen, finden, kaufen - oder machen sich einfach einen amüsanten Vormittag.

Die Besucher und die Aussteller kommen aus dem ganzen Land, sogar aus Deutschland und Tschechien - teilweise in Bussen - reisen sie an. Schon im Morgengrauen geht es auf dem Handelsplatz zu wie auf einem erwachenden Ameisenhaufen. „Die Flohmarkt-Profis kommen schon um 4 Uhr früh, stellen ihr Auto ab und gehen im Schein der Taschenlampe bei den anderen Ausstellern einkaufen, ehe sie ihren eigenen Stand aufbauen,” erzählt Rudolf Brandstetter. Der 56-jährige Pfiffikus aus Asten ist der „Erfinder” des Flohmarkts unter Palmen. Im Februar 2006 hat er mit zehn Ausstellern angefangen. Heute sind es im Schnitt 15 Mal mehr. Etwa 40 Prozent sind Stammkunden, den Rest bilden Gelegenheitsaussteller, die ihren Keller oder Dachboden entrümpeln, Sammlungen auflösen oder einfach überflüssige Gegenstände loswerden wollen.

Rudi Brandstetter: „Mir ist es wichtig, dass der Flohmarkt ein Flohmarkt bleibt. Daher lasse ich auch nicht mehr als etwa fünf gewerbliche Neuwarenhändler zu.” Ein Meter Verkaufsfläche kostet fünf Euro, drei Meter 13 Euro. Gemeinsam mit dem gleichzeitig im Interspar-Parkhaus stattfindenden Markt bildet die Linzer Industriezeile am Tag des Herrn wohl die größte Flohmarktmeile Österreichs.

Die Infrastruktur des Flohmarktes unter Palmen ist vorbildlich. Gratis-Parken im Cineplexx-Parkhaus (bei Schlechtwetter findet der Markt im Parkhaus statt), sechs Ordner, saubere Toiletten, und ab 3 (!) Uhr früh gibt es warme Imbisse, Kaffee und andere Getränke zur Stärkung. Am Nachmittag verlassen Rudi Brandstetter & Co das Gelände picobello gesäubert.

Publikum und Verkäufer sind so bunt wie das Leben. Auf beiden Seiten findet man alle Altersgruppen und alle Einkommensschichten, vom Arbeiter bis zum hohen Beamten, vom Pensionisten bis zum Primar. Die Preise reichen vom Spielzeug ab 20 Cent über Kleidung, Bücher und Taschen ab 50 Cent bis zu exquisiten Antiquitäten oder Tierpräparationen um 300 Euro.

Aussteller müssen sich nicht anmelden, bei Schönwetter ist es aber ratsam, sein Kommen unter 0664/3418241 zu avisieren. Das G’riss um einen Standplatz ist groß.