05. September 2010

AKTUELLES

Schubumkehr: Der Arbeitsmarkt über den Wolken ist abgestürzt


Günter Bald: „Der Pilotenberuf ist leider noch immer eine Männerdomäne. Der Frauenanteil in der Ausbildung beträgt nur etwa fünf Prozent.”

Pilot - das war bis vor ein, zwei Jahren ein Traumberuf mit traumhaften Berufsaussichten. Wegen des rasanten Wachstums im Weltflugverkehr wurden rund um den Globus pro Jahr 17.000 Piloten gebraucht. Allein in Österreich gab es in den Jahren 2004 und 2005 etwa 100 Flugzeugführer zu wenig.

Mit der Wirtschaftskrise sind viele Fluglinien in ökonomische Turbulenzen gekommen, was sich auch dramatisch auf den Arbeitsmarkt im Flugverkehr auswirkt. Nicht nur bei der AUA müssen hunderte Mitarbeiter um ihre Jobs zittern. Waren bis vor kurzem die Fluglinien ständig auf der Suche nach qualifizierten Kräften, gibt es jetzt ein Überangebot an fliegendem Personal. „Bei uns sind Linienpiloten in Ausbildung, die für die Zeit danach schon fixe Jobzusagen gehabt haben, die nun zurückgezogen worden sind,” kennt Günter Bald, General Manager der Luftfahrtschule AeronautX am Flughafen Hörsching, den Ernst der Lage.

Ähnlich sieht die Situation der Flugbegleiter aus. Vom glamourösen Job der Stewardess, der von Mädchen in Umfragen noch immer als Traumberuf bezeichnet wird, ist nicht viel übrig geblieben. Die Arbeit der Flugbegleiter ist stressig, und sie müssen auch um ihren Arbeitsplatz zittern.

Derzeit befinden sich bei AeronautX inklusive Flugzeugtypenschulung 20 Menschen in Ausbildung. Günter Bald: „Ich rate trotzdem niemandem vom Pilotenberuf ab, denn die Ausbildung dauert 15 Monate. Und in einem Jahr kann die Situation schon wieder viel besser ausschauen. Unsere Absolventen sind wegen ihrer guten Schulung normalerweise jedenfalls bei renommierten Fluglinien sehr gefragt.” Das sieht man auch bei der Verkehrsfliegerschule BFS in Salzburg so. Befindet sich die Luftfahrt im Aufwind, gehen bei BFS und AeronautX zum Beispiel Flugunternehmen wie Austrian Arrows, Fly Niki, Air Berlin oder Germanwings auf Personalsuche.

Die Ausbildung zum Linienpiloten ist nicht billig. Sie kostet zwischen 56.500 und 64.000 Euro. Bei AeronautX hat man vor wenigen Tagen ein neues Schulungsflugzeug bekommen. Die neue Tecnam P2006T ist die erste dieses Typs in Österreich. Der Zweipropeller-„Vogel” ist besonders leicht, fliegt sehr spritsparend und stößt wenig CO2 aus.