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Bürgermeister sind Polit-Stars
Während die EU-Wahl nicht einmal jeden Zweiten hinterm Ofen hervorgeholt hat, besitzt die Gemeindepolitik für die Oberösterreicher einen hohen Stellenwert. 84 Prozent der Landsleute stellen der Arbeit der Bürgermeister ein gutes Zeugnis aus, jeder Vierte ist überzeugt, dass ihre Bedeutung noch steigt.

Nach der Wahl ist vor der Wahl: Am 27. September werden fast doppelt so viele Oberösterreicher zur Wahl gehen als am 7. Juni. Landes- und vor allem Kommunalpolitik liegt ihnen weit mehr am Herzen als ihre Vertretung in der EU. Die Arbeit im örtlichen Gemeindeamt wird über die Entscheidungen im fernen Brüssel gestellt.
25 Prozent der Oberösterreicher meinten bei einer aktuellen market-Umfrage, dass Bürgermeister und Gemeindepolitik künftig noch mehr Bedeutung gewinnen werden. Diese Einschätzung ist regional allerdings sehr unterschiedlich. Während die Linzer nur zu 18 Prozent an eine weitere Aufwertung der Gemeindepolitik glauben, sind es im Hausruckviertel 24, im Traunviertel 26, im Mühlviertel 29 und im Innviertel gar 30 Prozent. Auffallend: Vor allem unter den 16- bis 29-Jährigen, denen man häufig besondere Politikmüdigkeit nachsagt, sind 29 Prozent von einer Aufwertung der untersten Politebene überzeugt.
Freuen dürfen sich die 10.000 oberösterreichischen Gemeindemandatare auch darüber, wie ihre derzeitige Tätigkeit beurteilt wird. 84 Prozent der Befragten finden, dass Bürgermeister und Gemeindepolitik gute bis sehr gute Arbeit leisten. Im Mühl- und Innviertel sind gar 89 Prozent dieser Ansicht, im Hausruckviertel sind es 85, in Linz 82 und im Traunviertel immerhin noch 77 Prozent.
Die Bürgermeister sind also die eigentlichen Polit-Stars. Dieses Bild wird durch eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Karmasin aus dem Jahre 2005 im Auftrag des Österreichischen Gemeindebundes bestärkt. 71 Prozent der Österreicher sind demnach der Meinung, dass ihre Interessen von den Bürgermeistern am besten vertreten werden. Dahinter folgen Landespolitiker mit 18 Prozent und abgeschlagen Bundespolitiker mit vier Prozent.
Im September wird etwa ein Drittel der 444 oberösterreichischen Ortschefs neu kandidieren oder sich erstmals der Direktwahl stellen. Oft ist es schon schwierig, einen geeigneten Kandidaten für das Bürgermeisteramt zu finden. Der Grund für das „Nachwuchsproblem”: Arbeit, Zeitaufwand und Verantwortung werden immer mehr, die Gage ist aber nicht gerade verlockend. Sie beträgt, je nachdem ob das Amt haupt- oder nebenberuflich ausgeübt wird, zwischen 20 und 100 Prozent des Gehalts der Nationalratsabgeordneten, die derzeit monatlich 8.023,60.- Euro brutto verdienen.
Lücken hat die soziale Absicherung von Gemeindepolitikern. „Es gibt für Bürgermeister noch immer kein Arbeitslosen- oder Krankengeld, sie haben aber das Risiko, nicht mehr wiedergewählt zu werden,” erklärt Dr. Hans Gargitter, Geschäftsführer des OÖ-Gemeindebundes. Geht ein Bürgermeister mit 60 in Pension, werden ihm erst mit 65 seine Pensionsansprüche ausbezahlt. Unter diesen Bedingungen wollen 68 Prozent der Österreicher von einem Bürgermeisterjob nichts wissen.
Dagmar Holter (47), seit 1997 Bürgermeisterin im 880-Einwohnerort Tollet im Bezirk Grieskirchen und eine von 22 Ortschefinnen im Lande, kennt dieses Problem: „Ich zahle mir meine Lehrerpension selbst weiter und weiß nicht, ob ich mit meinem Bürgermeistergehalt als Alleinerzieherin durchkäme.” Weiteres Problem: Privatfirmen haben mit nebenberuflichen Bürgermeistern wegen der Fehlzeiten nicht mehr viel Freude. Holter: „Früher waren Firmen noch stolz, wenn sie einen Bürgermeister in ihren Reihen hatten. Das ist längst vorbei.” Daher kommt die Mehrheit der Ortschefs aus dem Beamtenstand, wohin sie nach einer Karenzierung zurückkehren können.

