07. Februar 2012

KOMMENTAR

Volksabstimmung muss her!


Manfred Radmayr

Kein Ohrwaschl rührt die Bundesregierung seit Jahren, wenn es um den Ausstieg Österreichs aus der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom) geht. Der mehrheitliche Volkswille wird ignoriert (Bericht Seite 4). Statt das dringend benötigte Geld für erneuerbare Energie flüssig zu machen, zahlt man jährlich geschätzte 100 Millionen Euro in den Euratom-Topf. Der Euratom-Vertrag ist der letzte noch gültige EU-Gründungsvertrag aus dem Jahre 1957, der geschlossen wurde, um eine mächtige Atomindustrie aufzubauen. Das ist gelungen. Und Österreich hilft dabei finanziell kräftig mit, obwohl wir uns gegen die Kernkraftnutzung ausgesprochen haben. Warum, bleibt das Geheimnis der Regierenden.

300.000 Tonnen hochradioaktiven Materials haben sich in den 50 Jahren der zivilen Nutzung der Atomkraft angesammelt. Mehr als 10.000 Tonnen kommen jährlich aus den 439 derzeit in Betrieb befindlichen Reaktoren dazu. Und niemand weiß, wohin damit. Es gibt auf der ganzen Erde noch kein Endlager für strahlenden Müll. Laut Internationaler Atomenergiebehörde in Wien lagern über 50 Länder ihren Atommüll in unzureichenden Depots. Zur Erinnerung: Der mörderische Bombenstoff Plutonium, den jeder gebrauchte Brennstab enthält und von dem jährlich 70 Tonnen anfallen, behält eine Million Jahre seine tödliche Strahlung. Obwohl für die Lagerfrage keine Lösung in Sicht ist, wird mit dem Geld Österreichs sogar an neuen Reaktoren der dritten und vierten Generation geforscht. Statt zur Konzentration auf Alternativenergien hat der vorjährige Energiepreisschock in einigen Ländern sogar zu einer Kernenergie-Renaissance geführt.

Die uns jetzt Regierenden haben aus Zwentendorf zu wenig gelernt. Mit dem Schritt aus Euratom könnte Österreich zum Vorbild für andere EU-Länder werden und eine europäische Trendwende auslösen. Daher muss eine Atom-Volksabstimmung her. Damit wir wieder einmal Vorreiter statt nur Mitläufer sind.