08. Februar 2012

AKTUELLES

Ältester KZ-Überlebender von Info-Tour in USA zurück

103-Jähriger: „Ich habe keine Zeit zu sterben!”

Er wurde von den Nazis wie ein Tier gejagt, gefoltert und gedemütigt, doch Leopold Engleitner aus St. Wolfgang blieb unbeugsam. Der einstige Bauernknecht ist der älteste KZ-Überlebende Österreichs. Soeben kam der 103-Jährige von einer Vortragstour aus den USA zurück: „Ich habe keine Zeit zu sterben!”


Leopold Engleitner und Bernhard Rammerstorfer vor wenigen Tagen auf dem Gelände der Harvard Universität.

Vier Wochen lang tourte Leopold Engleitner durch die USA. In Massachusetts, Florida und Kalifornien erzählte der 103-jährige Oberösterreicher an Universitäten und in Gedenkstätten seine unfassbare Lebensgeschichte. Begleitet wurde Engleitner vom Autor und Filmemacher Bernhard Rammerstorfer (41) aus Linz. Der gebürtige Mühlviertler schrieb 1999 unter dem Titel „Nein statt Ja und Amen” die Lebensgeschichte des Kriegsdienstverweigerers, von der es eine Neufassung („Ungebrochener Wille”) und einen Dokumentarfilm gibt.

Die US-Vortragsreihe war Engleitners zweite Amerikareise und stieß auf großes mediales Echo. In einem CBS-Fernsehinterview meinte der Unbeugsame, der am 23. Juli 104 Jahre alt wird: „Ich bin ein glücklicher Mensch und erfreue mich am Leben. Ich habe keine Zeit zu sterben.”

Engleitner war vor 70 Jahren von der Gestapo in Bad Ischl verhaftet worden, weil er aufgrund seines Glaubens als Zeuge Jehovas den Dienst in der Deutschen Wehrmacht verweigerte. Der Bauernknecht wurde in drei Konzentrationslagern inhaftiert und schwerst misshandelt. Nichts konnte seinen Willen brechen. Eine Unterschrift unter einen SS-Revers hätte genügt, „und ich wäre auf die Minute freigelassen worden,” erzählt Engleitner, aber er gab seine religiöse Überzeugung nicht auf. 1943 wurde er mit nur 28 Kilo aus dem KZ Ravensbrück entlassen. Mit der Bedingung: „Lebenslange Zwangsarbeit in der Landwirtschaft”.

Als der Zwangsarbeiter kurz vor Kriegsende noch den Einberufungsbefehl erhielt, flüchtete er in die Berge des Salzkammerguts, wo ihn die NS-Schergen wie ein Tier jagten, aber nicht stellen konnten. Nach dem Krieg erlebte der zuvor Verfolgte lange Zeit Ausgrenzung und Unverständnis.

Leopold Engleitners Vermächtnis: „Ich bin meinem Grundsatz treu geblieben, niemals eine Waffe gegen einen Mitmenschen zu richten. Das erfüllt mich mit Freude und Genugtuung. Vor allem den jungen Menschen möchte ich empfehlen, ihr Leben nach gerechten Grundsätzen auszurichten.”