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Steyrer Arzt vermisst die Wertschätzung für engagierte Pädagogen:
„Lehrer erhalten zu wenig Dank"
Eine alarmierende Entwicklung nimmt rasant zu: Immer mehr Eltern sind mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert. Der Staat muss als Erzieher einspringen. Die Geburtenzahlen sinken, aber die Erziehungshilfen nehmen zu. Als erstes Bundesland installiert Oberösterreich eine neue „Krisenfeuerwehr”: Schulverbindungsdienst.
Die Jugendwohlfahrt des Landes und die Sozialhilfeverbände in den Bezirken haben im Vorjahr mehr als 50 Millionen Euro für Erziehungshilfen ausgegeben. Jene Fälle, wo der Staat als Erzieher eingreifen muss, sind seit 1993 um 73 Prozent mehr geworden. Österreichweit hat sich dieser Trend sogar verdoppelt. 2007 erhielten die Eltern von 2.025 Minderjährigen in Oberösterreich Unterstützung in der Erziehung. 1.312 Minderjährige wurden der Erziehungsobhut ihrer Eltern entzogen und in Heimen oder bei Pflegeeltern untergebracht.
Die Möglichkeiten der Erziehungshilfen sind vielfältig. Sie reichen von Beratung über Schulungen bis zum Einsatz von Familienhelferinnen, die den überforderten Eltern unter die Arme greifen. Sie schauen zumindest einmal im Monat oder sogar täglich vorbei. „Wir befinden uns in einer Schere von sinkenden Geburtenzahlen und steigenden Erziehungshilfen,” ist Soziallandesrat Josef Ackerl besorgt.
Häufige Antwort überforderter Eltern ist Gewalt. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft registrierte innerhalb von zwei Jahren eine Verdoppelung jener Beratungsfälle, in denen familiäre Gewalt und Vernachlässigung die Hauptrolle spielte. Eine Spectra-Umfrage ergab, dass sieben von zehn Oberösterreichern Erfahrung mit Gewalt in der Familie gemacht haben. „Kinder sind keine Privatsache,” sagt Kinder- und Jugendanwältin Mag. Christine Winkler-Kirchberger und fordert „Zivilcourage und Einschreiten, wenn es einem Kind schlecht geht.”
Um das Erziehungsproblem abzufedern, wird 2010 ein Schulverbindungsdienst aus 50 Sozialarbeitern eingerichtet, die als Verbindungsglied zwischen Lehrern und Eltern fungieren und frühzeitig eingreifen sollen. Mittelfristig soll dieser Dienst auf 100 Experten aufgestockt werden.

