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Mainzer Universitätsprofessor hat die Lösung, doch niemand zeigt Interesse
Neues Analyse-Modell: Damit wird jeder gedopte Sportler erwischt!
Ein Informatikprofessor der Universität Mainz hat ein Analyse-Modell entwickelt, das jeden Dopingsünder überführt. Preiswert und effektiv! Doch niemand zeigt an dem Nachweisverfahren Interesse, weder Sportverbände noch Doping-Fahnder. Ein Beweis dafür, wie halbherzig der Kampf gegen verbotene Substanzen geführt wird.
Auf ein verlässliches Nachweisverfahren im Kampf gegen Doping wartet die Welt seit langem. Müsste man annehmen. „Sie haben Recht. Doch bei mir hat sich noch kein einziger Sportverand und keine einzige Anti-Doping- Agentur gemeldet, obwohl mein Modell in wissenschaftlichen Kreisen längst bekannt ist,” bestätigt Professor Dr. Jürgen Perl von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Gespräch mit „Hallo”.
Der 64-jährige Forscher hat vor 25 Jahren das Wissenschaftsgebiet „Sportinformatik” begründet und inzwischen weltweit etabliert. Prinzipiell geht es bei seinen Computerberechnungen darum, herauszufinden, wie der jeweilige Sportler am besten trainieren sollte, um am Tag X eine optimale Leistung zu bringen, ohne seinen Körper überzubelasten. „So wie heute beispielsweise Crash-Tests mit Autos kostengünstig simuliert werden, können auch wir bestimmte körperliche Belastungen beim Sport simulieren und Trainingseinheiten individuell optimieren,” erklärt Professor Perl. So habe eine Studie mit Daten der Sporthochschule Köln gezeigt, dass Athleten die gleiche Leistung bringen könnten, auch wenn sie bis zu 30 Prozent weniger trainierten.
Ende des Vorjahres kam Jürgen Perl, der sich seit zehn Jahren mit Leistungsdiagnostik befasst, die Erleuchtung. „Die Berechnung des optimalen Trainingsprogramms funktioniert auch umgekehrt. Ich kann das Leistungspotential eines Sportlers berechnen und mit seinen Wettkampfleistungen vergleichen,” erklärt Perl. So findet man heraus, wenn und und zu welchem Zeitpunkt im Training illegale Eingriffe vorgenommen worden sind. Die Sportinformatik nennt dieses indirekte Nachweisverfahren „PerPot”-Modell (Performance Potential).
Voraussetzung für eine schlüssige Analyse ist allerdings, dass man bestimmte Grunddaten des jeweiligen Athleten kennt. Diese Leistungsindikatoren, die ins Computersystem eingegeben werden, sind etwa Pulsfrequenz, Lactatwerte oder die Konzentration der roten Blutkörperchen. Perl nennt diese Arbeit „Kalibrierungsphase”. Sie ist vorerst der Pferdefuß seines Systems, wie er selbst zugibt: „Freiwillig rücken die Sportler diese Daten nicht heraus.” Allerdings hat der Weltradsportverband im Vorjahr 8.300 Blutproben gesammelt, um für 800 Radrennfahrer so genannte biologische Pässe zu erstellen. Das geht in Professor Perls Richtung.
Durch „PerPot” lässt sich auch ein gängiges Dopingverfahren nachweisen, das herkömmliche Dopingjäger alt aussehen lässt. Häufig werden nämlich verbotene Wirkstoffe verwendet, die nach wenigen Wochen nicht mehr nachweisbar sind, aber körpereigene Substanzen zur Leistungssteigerung anstoßen. „PerPot” deckt diese Methode auf. Dr. Perl: „Wir liefern Indizien. Der Sportler hat zur Tatzeit quasi kein Alibi. Man kann dann seine alten Dopingproben noch genauer unter die Lupe nehmen oder ihn künftig schärfer beobachten.”
Genau beobachtet hat der Mainzer Uni-Lehrer auch den jamaikanischen Sprint-Olympiasieger Usain Bolt. „Es war auffällig, dass er bei seinem 100-m-Weltrekord abbremste, sonst wäre er 9,5 Sekunden gelaufen. Über 200 m ist er dann dieses Wahnsinnstempo 150 m durchgelaufen,” wundert sich Jürgen Perl, der auch weiß, dass es auf Jamaika Sprintschulen gibt, „wo 15-jährige schon 100-m-Zeiten laufen, die der Rest der Welt nicht zusammen bringt.” Sein „PerPot”-Modell würde wahrscheinlich nachweisen, dass diese Leistungen biomechanisch und trainingstechnisch gar nicht möglich sind.
Bisher zeigen Sportverbände, Dopingfahnder, Trainer und Sportärzte keinerlei Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem Mainzer Wissenschaftler. Anders ein deutscher Extremsportler, der nächstes Jahr am Radrennen quer durch Amerika (Race across America, RAA)teilnehmen will. Er lässt sich seit wenigen Wochen von Jürgen Perl sein individuelles Trainingsprogramm erstellen. Ob er an die Leistung von Wolfgang Fasching herankommt? Der 41-jährige aus Neukirchen bei Lambach hat das RAA dreimal gewonnen.

