07. Februar 2012

AKTUELLES

Im Freilichtmuseum Stehrerhof stellten ehrenamtliche Köchinnen einen Back-Rekord auf

Der millionste Bauernkrapfen


Es ist angerichtet: Die frischen Bauernkrapfen werden ausgegeben. Zweite von links die Chefin Lisi Pichler.

„Ein Krapfen ist Gefühlssache, deshalb machen wir aus unserem Rezept kein Geheimnis. Man braucht viel Geschick und Erfahrung, denn man muss spüren, wenn der Teig passt,” erklärt Elisabeth „Lisi” Pichler. Die 55-jährige Mutter dreier Kinder dirigiert ein Team ehrenamtlicher Köchinnen, das im Stehrerhof die Tradition des Krapfenbackens so hoch hält wie sonst nirgends im Lande.

Lisi & Co. verstehen den Umgang mit dem Germteig meisterlich. Sie spüren, wenn er mit dem Kochlöffel optimal geschlagen ist, lassen ihn so lange gehen, wie es nötig ist, ziehen ihn dann mit großer Handfertigkeit aus, ehe er im heißen Schweinefett mit Butterschmalz goldgelb herausgebacken wird.

Alles reine Handarbeit, doch sie funktioniert wie am Fließband. Jeder Handgriff sitzt. An speziellen Festtagen werden 30 bis 50 Schüsseln mit jeweils drei Kilo Teig parallel angerührt. Eine Schüssel ergibt 70 Krapfen. Innerhalb weniger Stunden sind hunderte Bauernkrapfen fertig. Frisch aus der Pfanne finden sie reißenden Absatz. Eine Million Stück wurden schon verkauft!

Dass der 400 Jahre alte Stehrerhof zur Krapfen-Hochburg wurde, ist ein Verdienst von Theresia Schausberger (81), der Mutter Lisi Pichlers. Sie hatte als Ortsbäuerin von Neukirchen an der Vöckla zur Eröffnung des Freilichtmuseums 1978 die Idee, als Schmankerl frisch gemachte Bauernkrapfen anzubieten. In der gleichaltrigen Anna Bauernfeind fand sie eine kongeniale Kochpartnerin. Theresia und Annas Krapfen schmeckten den Besuchern so gut, dass man das Krapfenbacken beibehielt.

Seit 30 Jahren gibt es nun von 1. April bis 31. Oktober jeden Mittwoch von 11 bis 13 Uhr frische Krapfen. Feinschmecker aus nah und fern stellen sich darum an. Viele Krapfen werden sofort verspeist, noch mehr mit nach Hause genommen. Selbstverständlich arbeitet die Stehrerhof-Krapfenbackstube auch bei Sonderveranstaltungen wie den jährlichen Druschwochen oder Handwerkstagen auf Hochbetrieb.

16 Jahre lang schaukelte Theresia Schausberger die Backstube, vor 14 Jahren übernahm Tochter Lisi diese Arbeit. An Unterstützung mangelt es ihr nicht. „Je nach Bedarf kann ich mich auf die Hilfe von 45 Kolleginnen verlassen,” freut sich Lisi Pichler. „Sie arbeiten alle freiwillig und opfern ihre Freizeit.” Der Erlös aus dem Krapfenverkauf fließt zur Gänze in die Erhaltung des Stehrer-Hausruckbauernhofes mit seinem Dreschmaschinenmuseum und Handwerkerhaus.

Ein Krapfen kostet 1,30.- Er wird in traditioneller Art angeboten. „Wir zuckern ihn nur auf Wunsch, denn ursprünglich wurde der Bauernkrapfen nicht gesüßt,” erklärt Lisi Pichler, „sondern sogar gerne mit Sauerkraut verspeist. Mit einer gebundenen Suppe war er früher ein komplettes Mittagessen. Wenn die Dreschmaschinen auf den Hof kamen, aß man den Krapfen zur Feier des Tages auch zum Kaffee.”

Zum OÖ-Fest der Freilichtmuseen am 17. Mai wird es im Stehrerhof (10-17 Uhr) als Spezialität ebenfalls „saure” Krapfen geben, verspricht Vereinsobmann Johann Pillichshammer. Er erwartet im Herbst den 500.000sten Museumsbesucher. Der Jubiläumsgast darf sich auf delikate Krapfen freuen.