07. Februar 2012

KOMMENTAR

Kommentar von Herausgeber Manfred Radmayr

Hohes Ansehen, aber keine fairen Preise


Manfred Radmayr

Das Jammern gehört zum Bauern wie der große Mercedes, sagen böse Zungen. Je günstiger ein Hof liegt, desto lauter wird gemurrt. Die Ärmsten sind - wie immer - die Leisesten. In diesem Fall die Bergbauern, und dazu gehört immerhin die Hälfte aller knapp 30.000 Landwirtschaftsbetriebe in Oberösterreich. Beneidenswert ist der einst so stolze Bauernstand jedenfalls nicht. Er genießt als Landschaftspfleger zwar hohes Ansehen, er erhält für seine Produkte aber keine fairen Preise. Wie in der Finanzwirtschaft versagt auch in der Landwirtschaft der freie Markt.

Der Landwirt bekam beispielsweise vor 30 Jahren als Eierproduzent für ein Frischei 90 Groschen bis einen Schilling. Heute sind es für ein Ei aus Bodenhaltung zehn Cent. Ähnlich ergeht es den Milchbauern, bei den Fleisch- und Getreideproduzenten schaut es nicht viel rosiger aus. „Honigbauern”, also Imker, stehen vor dem gleichen Problem. Ein Kilo süßes Gold kostete vor zehn Jahren um die 100 Schilling, jetzt um die sieben Euro. Die Produktionskosten, etwa für Energie, Futtermittel oder Dünger, sind im Laufe der Jahre enorm gestiegen. Was bleibt, wenn die Markterträge zur Abdeckung der Aufwendungen nicht ausreichen? Zusperren oder von Förderungen leben. Diese Alternative ist der Alltag sehr vieler Landwirte. Der Landschaftserhalter und Lebensmittelproduzent als Bittsteller - ein Ruhmesblatt für die wirtschaftliche Struktur unserer Gesellschaft ist das nicht. Die öffentliche Hand muss, vielfach über den Umweg Brüssel, die niedrigen Erzeugerpreise stützen. Der Konsument legt also als Steuerzahler drauf, damit der Bauer überleben kann und füttert als Draufgabe eine fette Agrarbürokratie mit.

Schlussendlich leiden also Verbraucher und Bauern unter dem gleichen Joch. Jammern hilft da keiner der beiden Seiten. Stattdessen wäre es hilfreich, mehr Bündnisse zu schließen, um das System für alle gerechter und transparenter zu machen.