05. Februar 2012

AKTUELLES

Nachwuchsmangel bei den Bienenzüchtern führt zu Millionenverlusten

Imker suchen mutige Frauen und Männer

Oberösterreich ist ein kleines Schlaraffenland: Alles blüht und es fließt reichlich Honig. Dank der Imker und ihrer Bienen. Doch die Idylle trügt. Die Zahl der Bienenzüchter hat sich halbiert, auch die Bienenvölker werden immer weniger. Ein herber Verlust, weil die Bestäubungsleistung der emsigen Tiere jährlich 71 Millionen Euro wert ist. Weniger Bienen bedeuten Millionenverluste.


Diese Biene saugt fleißig Nektar

88.000 Bienenvölker warten in Oberösterreich darauf, dass es endlich wärmer wird. Ab 12 Grad Außentemperatur heben sie ab. Heuer hat es erst wenige Flugtage gegeben. „Späte Jahre sind nicht unbedingt schlechte Jahre. Längeres Schönwetter kann die Verzögerung wettmachen. In den höheren Lagen, wo noch viel Schnee liegt, schaut es aber schlecht aus. Wie 2008 wird’s heuer fast keinen Waldhonig geben,” sieht Mag. Maximilian Liedlbauer aus Kronstorf mit gemischten Gefühlen der Honigsaison entgegen.

Mehr Sorgen bereitet dem 62-jährigen Präsidenten des Landesverbandes der Bienenzüchter, der mit zehn Jahren vom Vater den ersten Bienenstock erhielt, die Nachwuchsfrage in seiner Zunft. In 50 Jahren hat sich die Zahl der oberösterreichischen Imker fast halbiert. 6.500 sind noch in 256 Vereinen aktiv. Die Zeit, in der am Land fast zu jedem Haus ein Bienenhaus gehörte, ist längst vorbei. Für die Jugend gibt es genügend andere Hobbys, die weniger zeit- und arbeitsintensiv ist. Das Durchschnittsalter der heimischen Bienenzüchter liegt deutlich über 50 Jahre.

Deshalb bemüht sich der Landesverband seit längerem verstärkt um die Nachwuchsförderung. Das Motto: „Mutige Männer und Frauen gesucht! Hol’ dir Bienen - sie fliegen auf dich!” Im Vorjahr wurde der 1. OÖ-Jungimkertag organisiert und Kevin Freudenthaler (16) aus Rainbach bei Freistadt als Wettbewerbsbester zum „1. Honigstar Oberösterreichs” gekürt.

Die Zahl der Neueinsteiger schwankt seit 2002 zwischen 130 und 204, im Vorjahr gab es 161 Anfänger. Die Zahl jener, die ihre Honigschleuder für immer ins Eck stellen, ist leider deutlich größer.

Mit den Imkern werden auch die Bienenvölker weniger. Nicht so drastisch, aber doch spürbar. Vor fünf Jahren bestand das oberösterreichische Honiggeschwader noch aus 92.000 Völkern, aktuell sind es etwa 88.000. Das bedeutet einen volkswirtschaftlichen Verlust von etwa 3,2 Millionen Euro pro Jahr. Eine europäische Studie beziffert nämlich die Bestäubungsleistung eines Bienenvolkes mit 813 Euro.

Die enorme Bedeutung von Maja, Willi & Co. für die Fruchtbarkeit auf den Wiesen, Feldern und Bäumen sieht man daran, dass 80 Prozent der heimischen Kulturpflanzen durch die Honigbiene bestäubt werden. Diese Arbeit schlägt sich derzeit volkswirtschaftlich mit etwa 71 Millionen Euro pro Jahr zu Buche. Liedlbauer: „Noch sind wir in der glücklichen Lage, dass unsere Bienenvölker fast flächendeckend über das ganze Land verteilt sind. Problematisch wird es, wenn hier größere Lücken entstehen.”

Im Schnitt betreut jeder Imker etwa 13 Bienenstöcke. Wie erfolgreich ein Bienenvolk, das im Sommer bis zu 60.000 Insekten umfasst, arbeitet, hängt von seiner Königin ab. Deshalb legen Oberösterreichs Bienenväter mit viel Erfolg großes Augenmerk auf die Königinnenzucht. „Eine gute Königin sorgt für eine große Honigleistung, ist wabenfest und sanftmütig,” erklärt Präsident Liedlbauer, „es macht ja keinen Spaß, wenn man im Kampfanzug an die Arbeit gehen muss.”

Die vom Landesverband gezüchtete Carnica-Rasse erfüllt diese Anforderungen so gut, dass die halbe Welt auf unsere Super-Bienen fliegt. Jährlich werden zum Stückpreis von 33,50.- Euro an die tausend Carnica-Königinnen verkauft. Viele davon ins Ausland. 2003 ließ sogar China 80 Königinnen aus Oberösterreich einfliegen. Der Versand der kleinen Nutztiere erfolgt per Post. Die Königin sitzt in einem 15 cm großen Käfig und hat einige Begleitbienen an ihrer Seite, von denen sie während der Reise gefüttert wird.

Für alle Honigfreunde hat Siegfried Hangler (61) aus Hinzenbach, der seit Jahren Österreichs besten Akazienhonig produziert, einen Tipp parat, wie man selbst köstlichen Cremehonig herstellen kann: „Rühren Sie Blütenhonig, wenn er zu kristallisieren beginnt, fünf Tage lang täglich jeweils drei Minuten mit einem Kochlöffel um, dann bleibt er ewig schön flüssig.”