05. September 2010

AKTUELLES

Folge der Krise: Textilien werden länger getragen

Flaute bei den Kleiderspenden

Angesichts der Wirtschaftskrise sparen die Oberösterreicher offenbar beim Ausmustern der Bekleidung. Textilien werden länger getragen. Daher registrieren Caritas und Volkshilfe derzeit eine Flaute bei den Kleiderspenden.

Vor Weihnachten erlebte die Caritas einen Boom an Kleiderspenden. „Da haben die Menschen offenbar ihre Kästen ausgeräumt, um Platz für neue Textilien zu schaffen,” erklärt Christiane Dangl, die den Second Hand-Caritasladen („Carla”) in der Linzer Baumbachstraße leitet. „Seit einem Monat ist die Spendenfreudigkeit allerdings deutlich zurück gegangen. Das könnte aber auch damit zu tun haben, dass viele Oberösterreicher auf Urlaub sind. Besonderen Mangel haben wir an Herrenmode.”

Bei der Volkshilfe ergibt sich das gleiche Bild. „Ich habe den Eindruck, dass die Menschen jetzt ihre Textilien länger tragen. Dadurch ist die gespendete Bekleidung in einem schlechteren Zustand und wir kommen in einen Angebotsengpass,” sagt Mag. Fred Edlinger, Leiter der Volkshilfe Eferding-Grieskirchen, die in Eferding, Schlüßlberg, Aschach an der Donau und Ottensheim Second Hand-Läden betreibt. In diesen Geschäften gibt es einmal im Monat einen Halbpreis-Freitag. Edlinger: „Dieser war im Februar so gut besucht wie noch nie zuvor.” Ein Indiz dafür, dass die Nachfrage nach Kleidung aus zweiter Hand zunehmen könnte. Damit rechnet auch Rosemarie Aichmayr, die in Linz-Ebelsberg den „Seconda Mano”-Shop betreibt: „Derzeit haben wir noch keinen verstärkten Kundenansturm, aber das könnte in einigen Monaten leicht der Fall sein.”

Darauf bereitet man sich auch bei der Caritas vor. „Zuerst brauchen die von der Krise Betroffenen ihr Erspartes auf, ehe sie sich in ihrer Not an uns wenden,” weiß der stellvertretende Direktor Mag. Gerhard Reischl. „Ich rechne damit, dass in einigen Monaten verstärkt Menschen aus dem Leiharbeitsbereich zu uns kommen werden.”

Insgesamt hat die Caritas Oberösterreich im Vorjahr etwa 8.000 Menschen in Armut betreut. Reischl: „Die Zahl der Hilfesuchenden ist etwa gleich geblieben, doch der Hilfsbedarf ist gestiegen. Die Unterstützungsleistungen für Energiekosten haben 2008 um 35 % zugenommen, bei Lebensmitteln um 12 %.”

Insgesamt lieferten die Oberösterreicher im Vorjahr 320 Tonnen Sachspenden bei der Caritas ab. Unter den 98.000 Gegenständen waren auch Luxusartikel wie teurer Goldschmuck und Pelzmäntel. 32.000 Frauen und Männer haben bei „Carla” eingekauft. Aus dem Erlös erhalten Menschen in Not Bekleidung und Lebensmittel.