07. Februar 2012

KOMMENTAR

Kommentar von Manfred Radmayr

Jetzt muss endlich gehandelt werden


Manfred Radmayr m.radmayr@hallo-zeitung.at

Papier ist geduldig. Das zeigt die wenig ruhmreiche Geschichte der Integrationsbemühungen in Oberösterreich. Sie beginnt nicht ganz zufällig im Jahr 1991. Das war nämlich ein Wahljahr. Der Landtag erkannte damals in einer Resolution die Notwendigkeit zur Integration von Zuwanderern und zur Bekämpfung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Zehn Jahre (!) später stellte das Land eine Integrationsbeauftragte an. Weitere acht Jahre danach, am 10. Februar 2009, wieder ein Wahljahr, tagte erstmals die Landesintegrationskonferenz mit Vertretern aus Politik, Verwaltung, Interessenvertretungen, Hilfsorganisationen, Migranten und Experten. Dieses Treffen soll sich nun halbjährlich wiederholen, um das 36 Maßnahmen umfassende Integrationsleitbild praktisch wirksam werden zu lassen.

Dieses oberösterreichische Integrationsleitbild wird in In- und Ausland gelobt und als Vorbild gesehen. Ein Maßstab alleine ist aber zuwenig. Es muss endlich gehandelt werden. Die Zeit des Theoretisierens war lange genug. Es genügt nicht, bei den Einbürgerungen auf der Bremse zu stehen, man muss gleichzeitig beim Integrieren Gas geben. Da sind Inländer und Ausländer gleichermaßen gefordert. Bisher funktionierte das Nebeneinanderherleben besser als das Aufeinanderzugehen. Auf diese Weise werden Vorurteile nicht ausgeräumt, sondern einzementiert. Pauschale Asylantenhetze und Kriminaltouristen verschärfen die Situation. Es wäre vermessen, die gesamte Verantwortung der Politik und den Behörden zuzuschieben. Integration lässt sich nicht verordnen. Sie muss von unten gelebt werden. Die Obrigkeit hat allerdings die Pflicht, die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Dazu gehört beispielsweise ein vernünftiger Fremdenanteil in den Schulklassen. Bei der Integration ist jeder einzelne gefordert. Hilfreich ist vielleicht, sich vor Augen zu halten, dass jeder von uns mit einem Schritt über die Landesgrenze auf der ganzen Welt selbst zum Ausländer wird.