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Einbürgerungen gingen stark zurück, aber in unserem Land ist die ganze Welt daheim
153 (!) Nationalitäten leben in Oberösterreich
In Oberösterreich ist (fast) die ganze Welt daheim. 153 Nationalitäten leben in unserem Land. Bei den Einbürgerungen hat man allerdings die Bremse gezogen. Im Vorjahr wurden 1.458 Staatbürgerschaften verliehen, 2003 waren es noch fünf Mal mehr.
Die Vereinten Nationen haben 192 Mitgliedsstaaten. In Oberösterreich leben, laut der jüngsten Volkszählung von 2001, 153 Nationalitäten. In unserem Land gibt sich also fast die ganze Welt ein Stelldichein. Die Zahl der eingebürgerten Personen hat sich in den vergangenen Jahren allerdings drastisch reduziert. Gab es 2003 in Oberösterreich noch 7.315 Staatsbürgerschaftsverleihungen, so ging es in der Folge kontinuierlich bergab: 2004: 6.049, 2005: 5.151, 2006: 4.130, 2007: 2.025, 2008: 1.458!
Von den 1.458 Menschen, die im Vorjahr in Oberösterreich einen österreichischen Reisepass erhielten, waren etwa die Hälfte erwachsene Personen, bei der anderen Hälfte handelt es sich um ihre meist minderjährigen Kinder. Wirtschaftslandesrat Viktor Sigl, in dessen Zuständigkeitsbereich das Staatsbürgerschaftswesen gehört, bekennt sich zu dem restriktiven Kurs. „Wer unsere Staatsbürgerschaft will, muss sich auch zu unseren Werten und Spielregeln bekennen. Wir wollen keine Parallelwelten, denn so funktioniert Integration nicht.”
Bis 2006 war es relativ leicht, Österreicher zu werden. Man musste nur zehn Jahre im Land gelebt haben und „den Lebensumständen entsprechende” Deutschkenntnisse nachweisen. Dann war der Weg frei. Mit der Staatsbürgerschaftsnovelle 2006 wurden allerdings neue, klare gesetzliche Regeln geschaffen. Wer jetzt einen Antrag auf Staatsbürgeschaft stellt, muss einen mindestens zehnjährigen ununterbrochenen Aufenthalt im Land nachweisen und eine mindestens fünf-jährige Niederlassungsbewilligung durch die Fremdenpolizei vorlegen. Außerdem muss eine Deutschprüfung abgelegt werden, ehe man zum eigentlichen Staatsbürgerschaftstest (siehe Seite 3) antreten darf. Dieser kostet etwa 1.100 Euro und darf maximal zweimal wiederholt werden. 90 Prozent der Kandidaten schaffen allerdings beim ersten Antreten den Test.
Keine Chance auf die Staatsbürgerschaftsprüfung haben Ausländer mit - auch bedingten - Freiheitsstrafen aus Vorsatzdelikten. Auch strenge Verwaltungsstrafen, wie Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung (Alkohol am Steuer…) oder das Ausländerbeschäftigungsgesetz sind Abweisungsgründe. Schlepperei und Prostitution sowieso. Arbeitslose finden vor der Staatsbürgerschaftsbehörde ebenfalls kein Gehör.
Alle diese Auflagen gelten nicht, wenn an der Einbürgerung Staatsinteresse angemeldet wird. Dann genügt ein Ministerratsbeschluss, und die Dame oder der Herr ist im Handumdrehen ein österreichischer Staatsbürger. Das war in der Vergangenheit häufig bei Spitzensportlern der Fall. Als vorerst letzter Promi sorgte auf diese Weise die russische Operndiva Anna Netrebko für Schlagzeilen.
In Oberösterreich leben derzeit insgesamt knapp 187.000 Menschen mit nicht österreichischer Staatsbürgerschaft (Stand: 1. Jänner 2008). Das sind 13,2 Prozent der Gesamtbevölkerung. Statistisch gesehen hat also fast jeder siebente Oberösterreicher ausländische Wurzeln. Im laufenden Schuljahr besuchen 16.300 Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache die oberösterreichischen Volksschulen. Das sind 14,1 Prozent aller Pflichtschüler.
Zur besseren Eingliederung der Zuwanderer hat das Land ein umfassendes Integrationsleitbild mit 36 Maßnahmenempfehlungen erstellt. Soziallandesrat Josef Ackerl: „Was wir nicht brauchen können, ist eine Gesellschaft, in der durch Isolation Gewalt und Extremismus entstehen. Das Aufeinanderzugehen muss von beiden Seiten besser werden.”
Staatsbürgerschaftstest nach dem Zufallsprinzip

Aus insgesamt über 100 Fragen werden nach dem Zufallsprinzip je sechs zur demokratischen Ordnung, zur Geschichte Österreichs und zur Geschichte Oberösterreichs gestellt. Die Prüfung gilt als bestanden, wenn zwölf Antworten richtig sind oder aus jeder Fragengruppe mindestens die Hälfte korrekt beantwortet wurde. „Hallo” hat aus dem aktuellen Fragenkatalog einen Staatsbürgerschaftstest zusammengestellt.
Demokratische Ordnung
Frage 1: Was ist Legislative?
Frage 2: Nennen Sie ein Mittel der direkten Demokratie.
Frage 3: Ab welchem Alter darf man bei einer Nationalratswahl wählen?
Frage 4: Wer verleiht die österreichische Staatsbürgerschaft?
Frage 5: Welches Organ wird vom Landtag gewählt?
Frage 6: Welches Menschenrecht wird durch Zwangsehe verletzt?
Lösungen: 1. Sie ist die gesetzgebende Gewalt. Sie wird vom Parlament ausgeübt. Das Parlament wird vom Volk gewählt. 2. Die Volksabstimmung, die Volksbefragung, das Volksbegehren. 3. Ab dem vollendeten 16. Lebensjahr. 4. Die Landesregierung. 5. Der Landtag wählt die Mitglieder der Landesregierung und entsendet eine bestimmte Anzahl von Landesvertretern in den Bundesrat mit Sitz in Wien. 6. Gegen die freie Wahl des Ehegatten.
Geschichte Österreichs
Frage 1: Wie heißt Österreich in der ältesten Urkunde?
Frage 2: Wann wurde die zweite Türkenbelagerung abgewehrt?
Frage 3: Welche Regierungsform hatte Österreich bis 1918?
Frage 4: Wer war der erste Bundeskanzler der Zweiten Republik?
Frage 5: Welches Wirtschaftssystem hat Österreich?
Frage 6: Wann trat Österreich der Europäischen Union bei?
Lösungen: 1. Ostarrichi aus dem Jahre 996. 2. 1683. 3. Monarchie. 4. Leopold Figl (ÖVP). 5. Soziale Marktwirtschaft. 6. 1. Jänner 1995
Geschichte Oberösterreichs
Frage 1: Zu welcher römischen Provinz zählte Oberösterreich? a) Raetia, b) Noricum, c) Pannonia
Frage 2: Das oberösterreichische Landeswappen geht zurück auf das Wappen a) der Habsburger, b) der Herren von Machland, c) der Grafen von Lambach
Frage 3: Das oberösterreichische Hausruckgebiet war im 19. und 20. Jahrhundert ein Zentrum a) des Bergbaus, b) der Fischerei, c) des Salzhandels
Frage 4: Zwei berühmte Flügelaltäre in Oberösterreich befinden sich in a) Regau und Vöcklabruck, b) Rohrbach und Perg, c) St. Wolfgang und Kefermarkt
Frage 5: Wie heißt die älteste Stadt in Oberösterreich? a) Enns, b) Steyr, c) Linz
Frage 6: Wer ist der berühmteste Musiker und Komponist Oberösterreichs? a) Franz Welser-Möst, b) Hans Schnopfhagen, c) Anton Bruckner
Lösungen: 1. b, 2. b, 3. a, 4. c, 5. a, 6. c

