05. Februar 2012

AKTUELLES

Unser Dialekt ist vielfältig und hat Sprachwitz - dieser „ Schatz” muss bewahrt werden

Wia d’Landsleut redn und worüber s'lachn

Sprache lebt! Sie verändert sich mit den Lebensumständen. Doch weder Computersprech, Denglisch oder SMS-Kauderwelsch können die Mundart verdrängen. Sie behauptet auch im heutigen Sprachschatz ihren Platz. Viele Landsleute widmen sich ihrer Pflege und Erforschung. Franz Stelzhamer schau’ oba: Unser Dialekt lebt!


In vielen Gegenden ist noch uriger Dialekt daheim. Im oberösterreichischen Zentralraum fließen Dialekt und Umgangssprache ineinander, doch die Mundart hat einen festen Sitz: „Sie ist ein Identifikations- merkmal, und das schon fast zuviel. Sie dominiert auch an Schulen und an der Universiät, sodass Hochsprache vernachlässigt und oft gar nicht mehr richtig erlernt wird”, weiß Sprachforscher Mag. Stephan Gaisbauer vom Stifter-Institut in Linz. Er und seine Kollegen arbeiten unter der Leitung von Prof. Dr. Hermann Scheuringer an einem umfassenden Sprachatlas für Oberösterreich, in dem die regionalen Besonderheiten - 25 dialektale Kleinräume sind bekannt - dargestellt werden. Das imposante Werk soll bis 2012 fertig sein. Das Tolle daran: Man kann sich bereits jetzt via Internet die verschiedenen Sprachvarianten anhören und seine Dialektkenntnisse testen (http://sprachforschung.stifterhaus.at).

Wie gewaltig der heimische Mundartwortschatz ist, hat der Germanist und Historiker Dr. Wolfgang Stöckl aus Regau eindrucksvoll bewiesen: Er hat in 45-jähriger (!) Arbeit 31.000 Mundartwörter zusammengetragen. Sein Lexikon „Die Mundart. Zwischen Hausruck und Mondsee” (edition Sommerfrische) ist das Standardwerk für die Sprache der Oberösterreicher.

Der Stelzhamerbund mit mehr als 1.200 Mitgliedern, viele Vereine, die Gruppe „neue mundart” und Dichter wie Fritz Lichtenauer und Hans Kumpfmüller, die auch sprachlich-experimentell arbeiten, den Dialekt und sorgen für seine Erhaltung.

Dass alte Dialektwörter aussterben, etwa wenn es die Gegenstände nicht mehr gibt, gehört zum Wesen von Sprache. Auch Informationsflut, Globalisierung, Werbung… sorgen für eine Verarmung der bodenständigen Sprache.

Dafür entwickeln sich neue Formen. Jugendliche verleiben dem Dialekt neue Begriffe ein. Eine Besonderheit ist die SMS-Sprache - eine Mischung aus Abkürzungen, Mundart, Englisch etc.

Jugendsprache

Cool. Den ganzen Tag höre ich nur „cool”, „urcool”, „geil” wettert die Oma mit ihrem Enkelsohn, der bei ihr ein paar Ferientage verbringt. „Bitte gewöhn dir diese primitive Ausdrucksweise wieder ab. Großvater würde sich im Grab umdrehen, wenn er dich hören würde”. Darauf der Enkel: „Wau, dös wa oba urcool”.

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Festplatte gelöscht. Zwei etwas verkaterte Burschen kommen in ein Dorfgasthaus. Der eine zur Kellnerin: „Geh bring uns zwoa Reparaturseidl”. Die Kellnerin mit Kennerblick: „Aha, gestan zvü dawischd und d’Festplottn glöscht?”  Der andere: „Jo, hoffentli springts noch dem Seidl wieda on”. Nach einiger Zeit verschwindet einer für längere Zeit auf der Toilette. Als er wieder kommt, stänkert sein Freund: „No, der Download hod owa long dauert” und ruft zur Kellnerin: „Bring eahm nu an Obstla zur Aktivierung des Anti-Virus und füa mi oan zur Vorbeugung”.

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Über Senioren: Schaudas  on, dö Kalkstangen, dö Muppets.

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Über Kleinwüchsige: Wonnst nu um zehn Zentimeter kleana warst, warst a Gruabm.

G’stanzln

Drobm afn Beagal, wo dö Bam so schö blian, raufn zwoa Glozköpf, dass Hoa a so fliang!
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Da Fink sogt zan Zeisal und’s Zeisal zan Fink: in d’Stodt fliagn ma ned eine, weils do goa a so stinkt.
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Wonn i mein Vodan a Kaiwö vatrink, oft bitt i in Stia, das a d’Kua wieda springt.
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Fuat in da Fria, hoam auf d’Nocht, so hods mei Voda gmocht, fuat auf d’Nocht, hoam in da Fria, so mochans mia.
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I tua wos i wü und i tua wos i mog, des oanzige is, dass i mei Frau vorher frog.
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Guadn Morgn Herr Pfoarra, wos mocht da Kaplan, der liegt auf da Köchin und kraht wia a Hahn.
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Und da Bäcka mocht Weckn und da Sattla de Schnoin und de Gemeinde mocht Schuldn und mia könnans zoin.
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D’Wirtin is schwanga und d’Kellnarin dick und s’Kuchlmensch in da Hoffnung - de Leid hom a Glück.
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Jo weil i so kloa bi, muass i mi fest rührn, sunst tat mi a Großa in Hosnsock schiam.


aus: Fritz Lichtenauers „Darüber lacht Oberösterreich. Witze-Anekdoten-Kurioses”,
Ueberreuter 2006 und: „Sprechen Sie Oberösterreichisch. Ein Sprachführer für Einheimische und Zugereiste“, Ueberreuter 2003 (Abbildung )

„Dialekt ist treffender als Hochsprache”


Der gebürtige Innviertler Mundart-Autor Fritz Lichtenauer lebt in Linz

Was mich am Dialekt interessiert, ist die lautliche Vielfalt, der große sprachliche Nuancenreichtum, das Lautmalerische, der Wortwitz, der im Dialekt viel treffender als in der Hochsprache ist, mitunter aber auch verletzender, bösartiger ausfallen kann.

Meine ersten Dialektgedichte erschienen 1972 in Heimrad Bäckers Literaturzeitschrift „neue texte”. Wir waren damals in Linz eine junge Literaturgruppe, die sich mit Sprachexperimenten auseinandersetzte. Dazu gehörte auch der Dialekt der Wiener Gruppe.

„In dem er sich ändert, lebt der Dialekt”, dieses Zitat des Wiener Autors Manfred Chobot, trifft auf neue Tendenzen, wie etwa die Ausdrucksweisen der jugendlichen „Krocha” oder die verknappten Botschaften im SMS oder E-mail-verkehr, zu. Um den Dialekt braucht einem nicht bange sein. Es sind zwar viele Ausdrücke aus der früheren bäuerlichen Welt und Handwerkszeit verschwunden, dafür fließen neue ein, etwa aus der Computerwelt „Tastbrettl” für Tastatur oder „Festplottn” für Gehirn.

Einige Dialektgedichte aus dem Band „a longs und a broads”, erschienen in der Bibliothek der Provinz.

dös is a gonz a hohs vich
do muasd zeaschd duach
fünf dian bis das einikimst
owa drausd bisd glei wieda

dea bua dea hod
zwoa lingge hendd
dös wiad gonz sicha
a schdudendd

e nix kina e blizdum
gehd owa ins gümnasium

da dandde gibsd
dös schöne handde
zan winggewingge
nimmsd dös lingge

i schau si o si schaud mi o
scho hods gschnaggöd