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Kinder klagen über Gewalt in der Familie
In vielen Familien regiert noch immer das Faustrecht. Die Leidtragenden sind meist die Kinder und die Frauen. Ein alarmierender Beweis: Innerhalb von vier Jahren hat sich bei der OÖ-Kinder- und Jugendanwaltschaft die Zahl der hilfesuchenden Jugendlichen verdoppelt.

Mag. Christine Winkler-Kirchberger: „In nur vier Jahren hat sich die Zahl der Hilfesuchenden Kinder und Jugendlichen verdoppelt.“
2009 ist es 20 Jahre her, dass in Österreich Gewalt in der Erziehung gesetzlich verboten wurde. Seit 1989 heißt es im § 146 a des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches: „Das minderjährige Kind hat die Anordnung der Eltern zu befolgen. Die Eltern haben bei ihren Anordnungen und deren Durchsetzung auf Alter, Entwicklung und Persönlichkeit des Kindes Bedacht zu nehmen; die Anwendung von Gewalt und die Zufügung körperlichen oder seelischen Leides sind unzulässig.”
Leider sieht der Alltag ganz anders aus. „Gewalt in der Familie ist viel weiter verbreitet als man annimmt,” warnt Mag. Christine Winkler-Kirchberger. Sie leitet die seit 16 Jahren bestehende oberösterreichische Kinder- und Jugendanwaltschaft (KiJA). Eine Institution, die sich über mangelnde Arbeit nicht beschweren kann. Winkler-Kirchberger: „Wir sind völlig ausgelastet. Heuer haben wir schon 2.150 Einzelberatungen durchgeführt, und die Zahl unserer Klienten steigt kontinuierlich an.”
Um dem Bedarf gerecht zu werden, führt KiJA auch Sprechtage an den Schulen durch und stellt Online-Hilfsangebote zur Verfügung. Schon achtjährige Mädchen und Buben wenden sich hilfesuchend an KiJA. „Die Zahl der von sich aus zu uns um Rat kommenden Kinder und Jugendlichen hat sich innerhalb von vier Jahren verdoppelt,” sagt die Jugendanwältin.
In 30 % der Fälle dreht es sich bei den Kindern um Probleme durch Trennung oder Scheidung der Eltern, 20 % der Hilfesuchenden leiden unter psychischer oder physischer Gewalt beziehungsweise unter sexuellem Missbrauch in der Familie, 15 % sind Opfer außerfamiliärer Gewalt.
Gerade zu den Feiertagen eskaliert die Lage in vielen Familien. Von Weihnachtsfrieden ist da wenig zu spüren. Winkler-Kirchberger: „Da bricht oft auf, dass die Eltern und Kinder aneinander vorbei leben. Finanzielle Probleme verschärfen die Situation noch. Das wertvollste Geschenk für Kinder wäre meistens, mehr Zeit für Gespräche aufzuwenden.”
Info: 0732/779777

