07. Februar 2012

AKTUELLES

OÖ-Automobilbranche will die Abschaffung der Nova

Oberösterreichs Autoindustrie ist so gut aufgestellt, dass sie ein rein oberösterreichisches Auto bauen könnte - quasi ein „Hoamatmobil”. Doch die Branche hat jetzt andere Sorgen. Innerhalb weniger Tage sind die heimischen Autozulieferer von Vollgas auf Standgas abgebremst worden. Mehr als 5.000 Menschen haben schon ihre Arbeit verloren - und das Zittern geht weiter.

80.000 Menschen waren bis Anfang Oktober in Oberösterreich in der Automobilbranche beschäftigt. Jetzt sind es schon um mehr als 5.000 weniger, und die Talfahrt könnte dramatisch weiter gehen. „Man hat uns innerhalb weniger Tage völlig unverschuldet vom Vollgas gerissen. Wir haben die Krise von Amerika eingekauft,” erklärt Ing. Rudolf Mark aus Spital am Pyhrn. Der Eigentümer der Mark Metallwarenfabrik ist Beiratssprecher des Automobil-Clusters Oberösterreich und verspürt die Krise schmerzlich in seiner eigenen Firma (250 Mitarbeiter, 37 Millionen Umsatz), die für alle namhaften Automarken unter anderem Präzisionsteile für ABS-, EPS- und Airbagsysteme herstellt. Mark: „Im September haben wir noch Rekordumsätze gemacht, Anfang Oktober brach die Nachfrage um 25 Prozent ein. Von 13 Mitarbeitern mussten wir uns leider schon trennen, für andere überlegen wir Qualifizierungsmodelle wie die Bildungskarenz.”

Wie ihm geht es der ganzen Branche. Jahrelang wurde mühsam qualifiziertes Personal gesucht, jetzt hat man Überkapazitäten und weiß nicht, wie lange die Misere andauert. „Zum Glück gibt es den Autocluster. Gemeinsam haben wir mehr Macht bei den Verhandlungen mit Regierungen und Kunden, als wenn jeder alleine kämpfen müsste,” so Mark.

Der Autocluster Oberösterreich wurde vor zehn Jahren gegründet und erlebt jetzt seine schwierigste Zeit. Dem Netzwerk gehören 245 Unternehmen an, die im automotiven Sektor jährlich 17 Milliarden Euro umsetzen. Für jede Autokomponente gibt es in Oberösterreich einen Hersteller, so dass man ein rein oberösterreichisches „Hoamatmobil” bauen könnte.

Ein Cluster-Vorschlag, wie man die Krise meistern könnte: „3.000.- Euro Verschrottungsprämie für Autos, die älter als zehn Jahre sind, und die Nova sollte für ein, zwei Jahre abgeschafft werden,” so Rudolf Mark. Das würde für alte Autos einen Bonus von etwa 5.000.- Euro bedeuten. So könne man den Automarkt wieder rasch ankurbeln, meint Mark, der damit rechnet, dass ansonsten 2009 in Österreich statt 300.000 Neuwagen nur 200.000 gekauft werden. In Österreich ist jedes dritte Auto älter als zehn Jahre. Das Maßnahmenpaket wäre in ganz Europa nötig und nur halb so teuer wie die zu erwartenden zusätzlichen Arbeitslosen, rechnet Rudolf Mark vor.

Neben der aktuellen Krisenbewältigung müssen sich Oberösterreichs Autoteileproduzenten auch verstärkt für die Zukunft rüsten. „Es ist ein absolutes Muss, in die Forschung und Entwicklung alternativer und spritsparender Antriebe zu investieren,” weiß DI Thomas Eder, der Manager des Automobil-Clusters. „Elektroautos und Hybridfahrzeuge sind ebenso ein Thema wie der Leichtbau.” Gerade was die Werkstoffe betrifft, „verfügen die heimischen Firmen über ein sehr gutes Know-How und großes Potential,” so der Cluster-Manager.