08. September 2010

KOMMENTAR

Konsum als Pflichtfach


Kommentar von Manfred Radmayr

Wieder einmal ging alles gut, bis es schief ging: Der Turbokapitalismus ist mit Vollgas an die Wand gefahren. Während der Staat gerade zum Selbstbedienungsladen für unglaubwürdige, verantwortungslose aber bestdotierte Banker verkommt, stehen wir inmitten der Trümmer einer Wirtschaftsphilosophie, die um ein einziges Wort kreiste: Mehr! Mehr, mehr und nochmals mehr, war lange Zeit die Devise. Erfolg wurde ausschließlich und rücksichtslos über steigendes Wachstum definiert. Spätestens jetzt wäre Umdenken gefragt: weg vom quantitativen – hin zum qualitativen Wachstum.

Wenn die Krise einen Nutzen haben soll, müssen wir als Konsumenten die selbst verschuldete Unmündigkeit ablegen. Der Verbraucher ist Revolutionär! Seine Konsumgewohnheiten haben in den letzten Jahrzehnten die Welt verändert und zerstört. Die Abstimmung über eine neue Weltordnung findet täglich am Finanzmarkt, im Supermarkt, an der Tankstelle, beim Kauf von Autos, Möbeln, Textilien… statt. In Anlehnung an den kategorischen Imperativ von Kant, müsste es heißen: Kaufe so, dass die regionale Wirtschaft zum Zug kommt, das Wegwerfen von Konsumgütern zur Ausnahme und die Wiederverwertung zur Regel wird. Abgesehen von den einfachen Dingen des Alltags, sollten Konsumgüter von solcher Qualität sein, dass sie weiterverkauft, vererbt oder auch repariert werden können. Dann müssten Schuster, Uhrmacher und Schneider nicht aussterben. Nachhaltige Produkte mögen so teuer wie zwei sein, wenn sie so lange wie drei halten.

Nachhaltigkeit beginnt im Kopf. Damit solches Denken wieder modern wird, sollte Konsum als Pflichtfach unterrichtet werden - in der Familie und in der Schule. Man muss die Jugend schon in den entscheidenden Jahren ihrer Prägung auf ihre Verantwortung beim Einkaufen und im Umgang mit den Ressourcen vorbereiten. Damit der machtvolle Ruf „Wir sind das Volk!” endlich wieder Gewicht bekommt.