07. Februar 2012

AKTUELLES

Spezielle Form der Gewalt breitet sich aus

Mobbing macht die Kinder krank

Mobbing ist eine spezielle Form der Gewalt, die unter den Jugendlichen dramatisch zunimmt und die Kinder krank macht. Die Opfer werden immer jünger. Schon in den Volksschulen wird gemobbt. Oberösterreichs Expertenstelle wird von Ratsuchenden überrannt.

„Mobbing ist, wenn eine Person wiederholt und systematisch über einen längeren Zeitraum den direkten oder indirekten schädigenden Handlungen einer oder mehrerer Personen ausgesetzt ist. Ziel des Mobbings ist die soziale Ausgrenzung,” erklärt Dr. Rupert Herzog, Leiter der Mobbing- und Gewaltpräventionsstelle (MoGSt) der oberösterreichischen Kinder- und Jugendanwaltschaft, kurz KiJA.

Die vor einem Jahr gegründete MoGST mit ihren zehn Mitarbeitern ist bundesweit einzigartig und bietet Hilfe und Begleitung bei Mobbing und Gewalt in Schulen an. Und sie wird förmlich überrannt. „Wir haben im heurigen Schuljahr die Kapazität für 300 Workshops in Schulen. Die Termine dafür waren innerhalb einer Woche ausgebucht,” erklärt KiJA-Leiterin Mag. Christine Winkler-Kirchberger.

Mobbing wird schon in den dritten und vierten Volksschulklassen zum Problem. Die Opfer, die von den Mitschülern auf verschiedenste Art und Weise systematisch „geschnitten” werden, sind oft erst acht, neun Jahre alt. Die Folgen gehen bis zu schweren psychosomatische Störungen.

Mobbing gibt es nicht nur unter den Schülern, sondern auch von Lehrern zu Schülern. „Wir tabuisieren dieses Thema nicht,” sagt Kinder- und Jugendanwältin Winkler-Kirchberger. „Lehrer sind die Schlüsselpersonen für das Klima an einer Schule, das ganz wichtig ist. Deshalb legen wir so großenWert auf Prävention.”

Weit verbreitet ist die Ansicht, „wer gemobbt wird, ist selber schuld.” Falsch! Mobbing ist ein soziales Phänomen und kann jeden treffen. Viel wichtiger als individuelle Besonderheiten sind Dynamiken, Normen und Werte in einer Gruppe. Winkler-Kirchberger: „Wir sehen, dass auch Kinder, die aus guten Familien kommen, in entsprechender Atmosphäre umgepolt werden und zu mobben beginnen.”

Im Allgemeinen hat die Gewalt- und Mobbingbereitschaft in den vergangenen Jahren drastisch zugenommen. „Das hängt auch damit zusammen, dass Gewalt in den Familien noch immer weiter verbreitet ist, als man glaubt,” weiß Winkler-Kirchberger. „Von allen Jugendlichen haben sechs Prozent ein so großes Gewaltpotential, dass sie später einmal straffällig werden.”

Im vorigen Schuljahr führte die MoGST 229 Schul-Workshops und 382 Einzelberatungen durch. Jugendliche, Eltern oder Pädagogen, die Rat oder Hilfe suchen, können sich an die KiJA-Hotline wenden: 0732/779777