07. Februar 2012

AKTUELLES

Asphalt bis zu 125 Prozent teurer!

Ölindustrie schröpft den Straßenbau

Von der Ölindustrie werden nicht nur die Autofahrer, sondern auch die Straßenbauer geschröpft. Der Preis für eine Tonne Asphalt ist innerhalb eines Jahres um bis zu 125 Prozent (!) gestiegen. Der Grund: Bitumen, das Hauptprodukt des Asphalts, wird aus Erdöl gewonnen. Ein Ende der Preistreiberei ist nicht abzusehen.

Das Spiel der Ölmultis kennt der leidgeprüfte Autofahrer zur Genüge: Wenn das Rohöl billiger wird, bleibt der Preis an der Zapfsäule hoch. Steigt der Rohölpreis, steigt der Spritpreis automatisch mit. Um fadenscheinige Begründungen dafür sind OMV & Co nie verlegen.

Auch die Straßenbauer sind ein Spielball der Ölindustrie. „Die Preisentwicklung bei Asphalt war in den letzten Jahr sehr stürmisch,” weiß DI Dr. Franz Zeilinger, Leiter der Abteilung Straßenplanung und Netzausbau in der Landesverwaltung. „Gegenüber dem Vorjahr wurde der Asphalt um bis zu 125 Prozent teurer.”

Hauptverantwortlich für die Preisexplosion ist das Erdöl-Abfallprodukt Bitumen. In Europa gibt es nur wenige Bitumen-Anbieter, die den Preis „geschickt” hoch halten. Franz Zeilinger: „Die OMV hat heuer eine Zeit lang überhaupt kein Bitumen geliefert. Da wurde in Polen eingekauft, doch plötzlich hat es auch in Polen kein Bitumen mehr gegeben.” Man war gezwungen vorzubestellen und musste quasi jeden Preis akzeptieren.

Je nach Qualität kostete 2007 eine Tonne fertiges Asphaltmischgut zwischen 29.- und 75.- Euro, heuer berappt man dafür 55.- bis 122.- Euro. Albert Mayer, Chef der Straßenmeisterei Bad Leonfelden, nennt ein konkretes Beispiel: „Für eine Tonne Asphalt, die im Vorjahr 36,70.- Euro gekostet hat, bezahlen wir jetzt 67,20.- Euro.” Und in dieser Tonart wird es auch weitergehen. „Man hat uns bereits signailisiert, dass nächstes Jahr die Tonne um 20.- Euro mehr kosten wird,” sagt Albert Mayer.

Keine rosigen Aussichten für die Straßenerhalter, die sich vorwiegend in öffentlicher Hand befinden. Immerhin werden alleine heuer von Land, Gemeinden und Asfinag in Oberösterreich nicht weniger als zwei Millionen Tonnen Asphalt aufgebracht. Das verschlingt 170 bis 180 Millionen Euro.

Die Asphaltgüte orientiert sich an der Belastung der Straße. Für einen Güterweg reicht eine billigere Asphaltmischung als für eine stark befahrene Bundesstraße oder gar die Autobahn. Der Feinasphalt an der Oberfläche hält 15 bis 17 Jahre, der Grobasphalt darunter 30 bis 35 Jahre, dann muss er erneuert werden. Oft braucht dann der gesamte Unterbau der Straße eine Sanierung. Er wird im Laufe der Jahre durch eindringendes Wasser zerstört. Mayer: „Das Wasser ist unser größtes Problem.”

Alternativen zum Asphalt gibt es kaum. Lediglich auf der Autobahn verwendet man auf den am stärksten befahrenen Teilstücken Beton als Straßenbelag. „Der hält um 50 Prozent länger, kostet aber auch dementsprechend mehr,” so Straßenplaner Zeilinger.

Eine Besonderheit gibt es bei der Westumfahrung Haid, die am 5. Dezember eröffnet wird. Erst zum dritten Mal in Oberösterreich wird ein Kreisverkehr in Beton ausgeführt. Zeilinger: „Eine technische Neuerung, den er wird nicht maschinell, sondern in Handarbeit errichtet.”

Um ein wenig Druck auf die Preisentwicklung ausüben zu können, will LH-Stv. Franz Hiesl als Straßenbaureferent „große Baustellen in kleinere Baulose unterteilen, damit auch mittelgroße Unternehmen wieder mitmachen können. Jetzt haben wir nur die Bauindustrie als Partner und teilweise nur zwei Anbieter, beispielsweise beim Bau der B 309.”